Bulle & Bär
Fonds mit Potenzial zum Ladenhüter

Keine Frage, auch die Investmentfondsbranche ist vollends im Zeitalter der Nachahmerprodukte angekommen: Egal ob DWS, Union Investment, Deka oder Cominvest – eine Gesellschaft nach der anderen legt derzeit neue Investmentfonds auf, die in den kommenden zwei bis vier Jahren monatlich vom sicheren Geldmarkt in Aktien investieren. Das klingt sinnvoll, ist aber überflüssig.

DÜSSELDORF. Zunächst klingt das sinnvoll. Denn Anleger können noch bis Jahresende einen größeren Betrag abgeltungsteuerfrei anlegen, ohne sich Gedanken über das richtige Timing für den Einstieg machen zu müssen. Das Fondsmanagement schichtet schrittweise um, und Anleger profitieren vom Durchschnittskosteneffekt: Sie kaufen bei tiefen Kursen viele Fondsanteile und bei hohen Kursen wenige.

Dummerweise handelt es sich dabei aber um neue Produkte, die Eigenschaften aufweisen wie das fünfte Glas Bier oder das zwanzigste Paar Schuhe: Es fühlt sich gut an, ist aber überflüssig.

Zugegeben: Der Gedanke besticht intuitiv, lieber schrittweise in den Aktienmarkt zu investieren als auf einen Schlag. Auch sind Fondssparpläne fantastische Vehikel, um langfristig und diszipliniert Vermögen aufzubauen. Oft haben Anleger keine Alternative, da sie aufgrund eines monatlichen Einkommens auch nur monatlich ansparen können.

Doch die neuen Fonds konkurrieren nicht mit Sparplänen, sondern mit einer Einmalanlage. Wenn es aber finanzmathematisch sinnvoll wäre, eine Einmalanlage über mehrere Tranchen zu strecken – warum praktiziert dies kaum ein institutioneller Anleger? Die Antwort: Der Durchschnittskosteneffekt ist zwar ein machtvolles Marketinginstrument, aber aus wissenschaftlicher Sicht ein Mythos. „Die moderne Portfoliotheorie steht in klarem Widerspruch zum Cost-Average-Phänomen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Weder sind stark schwankende Kurse bei Sparplänen wünschenswert, noch steigert die Streckung einer Einmalanlage die Rendite. Dagegen spricht alleine schon die Tatsache, dass Aktienmärkte langfristig steigen. Anleger können allenfalls darauf hoffen, ihren durchschnittlichen Einstandspreis etwas zu glätten. Damit sinkt auf lange Sicht das Risiko ganz minimal, allerdings auch um den Preis niedrigerer Renditeerwartungen. Auch der Behavioral-Finance-Experte Proffessor Martin Weber findet in einer Studie klare Worte: „Es gibt keinen Cost-Average-Effekt“.

Zugegeben: Jeder Anleger sollte die Chance nutzen, noch bis Jahresende überhaupt abgeltungsteuerfrei in den Aktienmarkt zu investieren. Die Wahl des Produkts ist allenfalls sekundär. Schließlich führt langfristig an einem hohen Aktienanteil in der privaten Vorsorge kein Weg vorbei. Weitaus besser ist es jedoch, irrationale Verlustängste zu überwinden und lieber gleich zu einem erstklassigen Aktienfonds zu greifen. Die neuen Fonds mit einem eingebauten, schrittweisen Einstieg werden hingegen am 1. Januar 2009 mit der Einführung der Abgeltungsteuer quasi über Nacht zu Ladenhütern.

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