Bulle & Bär
Fondsgebühren: Zweifelhafter Mehrwert

Der eine schleppt seine Musikanlage für einen Spottpreis vom Discounter heim. Er profitiert von den Preisschlachten der Billigheimer. Der andere steht auf Status und lässt sich die musikalische Infrastruktur aus der teuren Designerschmiede von Bang & Olufsen anliefern. In der Finanzwelt ist es ebenso.

FRANKFURT. Auch hier laufen die Kosten auseinander. Viele Indexprodukte werden billiger. Bei den sexy Designerstücken mit Anspruch auf Mehrertrag gegenüber dem Index dagegen läuft die Kostenspirale nach oben.

Dennoch sind Billigheimer wie etwa börsengehandelte Indexfonds auf den Dax oder Euro Stoxx 50 keine Ramschware zweifelhafter Qualität. Diese "ETFs" liefern ziemlich genau die Wertentwicklung der Messlatte ab. Umgekehrt sind modische Hedge-Fonds oder Fonds mit zusätzlicher Erfolgsgebühr nicht automatisch die Erlöser in einer Welt niedriger Renditen. Diese Produkte mit anvisiertem Mehrertrag gegenüber einem Index müssen ihr Zukunftsversprechen erst einmal einlösen.

Die aktuelle Kreditkrise trennt die beiden Produktwelten noch schärfer. In unsicheren Zeiten suchen Anleger händeringend nach positiven Erträgen. Geradezu "verzweifelt", wie die US-Analysefirma Cerulli Associates jetzt formuliert. Gleichzeitig verlangen die Investoren Sicherheit. In gewissem Sinne ist auch eine Indexperformance sicher. Deshalb boomt der ETF-Absatz. In der gestern vorgelegten Absatzstatistik des hiesigen Fondsverbandes für Februar glänzt die entsprechende Sparte der Deutschen Bank mit 1,5 Mrd. Euro Nettoabsatz. Es ist das beste Ergebnis in der Firmen-Hitliste.

Investoren müssen in den kommenden Jahren mit wahrscheinlich geringen Renditechancen an den meisten Anlagemärkten noch genauer als bisher auf die Gebühren schauen, denn die fallen beim Nettoertrag stärker ins Gewicht. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob der billige Dax-ETF mit einer jährlichen Belastung von 0,15 Prozent daher kommt oder beispielsweise ein aktiv verwalteter Schwellenländerfonds das Zehnfache verlangt. Darüber hinaus verpassen die aktiven Verwalter ihren Produkten immer öfter eine zusätzliche Erfolgsgebühr, das heißt, es fließt zusätzlich noch beispielsweise ein Zehntel des jährlichen Wertzuwachses in ihre Taschen.

Teure Produkte sind ihren Preis wert, wenn die Verwalter mit ihren Strategien wie gezielter Einzelwertauswahl oder mit ihren Branchenwetten tatsächlich einen Mehrwert erzielen. Das schafft langfristig allerdings nur eine Minderheit. Viele dieser Anbieter dürften deswegen unter Druck kommen. Kaum ein Anleger wird noch hohe Gebühren für eine Endrendite zahlen wollen, die er mit einem Billigprodukt vielleicht übertroffen hätte.

Beim schlichten Gebührenvergleich endet denn auch die Analogie zum Musikeinkauf. Wirklichen Hörgenuss kann eine Billiganlage nicht bieten. Da rettet auch kein Richtungswechsel von Rossini zum Rustikalrock Marke Rammstein.

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