Bulle & Bär
Fondsgebundene Lebensversicherung: Eine Frage der Mentalität

Wer sich am Bankschalter nach einem Konzept für seine Altersvorsorge erkundigt, hat in diesen Tagen schnell eine fondsgebundene Lebensversicherung in der Tasche. Mit dem Argument, dass sie steuerlich besonders günstig sei, werben die Berater. Weniger gerne wird darüber geredet, was dabei die Bank verdient und was obendrein auch noch eine mit dem Haus verbundene Versicherung kassiert.

DÜSSELDORF. Das Steuerargument ist dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen. Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung zahlt der Kunde feste Beträge ein, sie werden in Aktien-, Renten- oder Geldmarktfonds angelegt. Steuerlich wird diese Art des Sparens behandelt wie eine Renten- oder Kapitallebensversicherung. Die Rendite, die der Fonds in der Ansparphase abwirft, ist steuerfrei. Erst bei Renteneintritt sind die Erträge zu versteuern. Mit mäßigen Sätzen: 18 Prozent der Rentenzahlungen sind steuerpflichtig. Lässt sich der Sparer das Kapital auf einen Schlag auszahlen, dann muss er die Differenz zwischen der Summe, die er über die Jahre eingezahlt hat und der Summe, die er ausbezahlt bekommt, zur Hälfte versteuern.

Bei einem Fondssparplan dagegen langt der Fiskus schon in der Ansparphase Jahr für Jahr zu. Ab 2007 sind nur noch Kapitaleinkünfte bis 750 Euro (für Alleinstehende ) steuerfrei, der Rest ist einkommenssteuerpflichtig. Entnimmt der Sparer später das Geld, muss er es nicht mehr versteuern. Doch was der Staat in der Ansparphase kassiert, kann der Anleger nicht investieren. Der Zinseszinseffekt, der für eine wundersame Geldvermehrung sorgt, wenn nur früh genug mit dem Sparen begonnen wird, kommt damit weit weniger zum Tragen. Gutverdiener mit hohen Steuersätzen dürften daher mit einer fondsgebundenen Renten- oder Lebensversicherung besser fahren.

Doch das ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Wie gut sind die von der Versicherung angebotenen Fonds? Erzielen sie die gleiche Rendite, wie ein selbst gewählter Fonds? Wieviel zahle ich bei der Versicherungsvariante für Provision und Gebühren? Eine Fondsverwaltung muss ihre Kosten klar ausweisen. Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung sind sie meistens ziemlich gut versteckt. Hinzu kommt: Wie oft ändern sich die Steuergesetze bis zum Rentenantritt noch? Und kann der Sparer die lange Laufzeit eines Versicherungsvertrags überhaupt durchhalten? Was er in einen Fonds eingezahlt hat, kann er jederzeit abheben. Das Geld, das in eine Versicherung geflossen ist, ist über viele Jahre erst mal weg. „Das ganze ist ein Lotteriespiel“, sagt der unabhängige Versicherungsberater Michael Kronenberg.

Tendenziell rechnet sich die fondsgebundene Lebensversicherung für Gutverdiener und bei Produkten mit niedrigen Kosten, wie Direktversicherungen. Aber die Entscheidung ist auch eine Mentalitätsfrage. Flexibler ist der Fondssparplan allemal.

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