Bulle und Bär
Frachtraten-Index im Höhenflug

Es erscheint paradox: Die Krise an den Finanzmärkten schwelt weiter, aus der Wirtschaft kommen laufend schlechte Nachrichten - aber der Welthandel schert sich nicht darum. Seine Robustheit kann nur mit Superlativen beschrieben werden.

FRANKFURT. Der wohl wichtigste Indikator ist der sogenannte Frachtraten-Index, der die Entwicklung der Charterpreise für Massengutfrachten im Seehandel misst. Er eilt fast täglich von Rekord zu Rekord, hat sich in wenigen Monaten fast verdoppelt, in fünf Jahren annähernd verzehnfacht. Das ist reif für das Guinness Buch der Rekorde. Wohl kaum ein anderer Börsenindex dürfte so etwas geschafft haben.

Die Frachtschifffahrt zählt zu den dynamischsten Wirtschaftszweigen. Ladekapazität ist gefragt. Wieder einmal müssen China und Indien als Erklärung herhalten: Sie stillen ihren Hunger nach Rohstoffen durch Importe aus anderen Weltregionen; Transportmittel ist der Frachter. In die Container kommen vor allem Kohle, Eisenerze und Getreide. Die Nachfrage ist enorm, Ladekapazität knapp. Und in vielen Häfen stauen sich die Schiffe, können gar nicht so schnell entladen werden, wie es nötig wäre. Container heißt die harte Währung. Millionen bunter Boxen haben das klassische Stückgut abgelöst - und durch effizienteren Transport den Handel revolutioniert.

Der Containermarkt wächst dreimal schneller als die Weltwirtschaft. Zum Vergleich: Für die gleiche Anzahl Container, die ein Schiff transportieren kann, würde man 100 Flugzeuge oder 500 Lastwagen benötigen. So mutierte die genormte Stahlkiste zum Symbol der Globalisierung. Wenn denn ein Vater der Globalisierung und des globalen Wirtschaftswunders zu küren wäre, müsste er Malcolm P. McLean heißen. Der amerikanische Spediteur erfand den bequemen Kasten und machte ihn in den fünfziger Jahren marktfähig.

McLean inspirierte sogar die Finanzbranche. Die Londoner Börse berechnet neben dem Frachtratenindex Teilindizes für unterschiedliche Seerouten und unterschiedliche Schiffsgrößen. Die Banken spielen ebenfalls mit. Immer mehr Häuser bieten Anlageprodukte auf den Index an. Dresdner Bank, Royal Bank of Scotland, HCI locken die Anleger. Zuletzt reihte sich Morgan Stanley in diese Schlange ein. Das Fondshaus DWS brachte ein ähnliches Zertifikat, allerdings auf branchennahe Aktien. Mit Ausnahme des DWS-Produktes haben die Zertifikate einen Risikopuffer und eine begrenzte Laufzeit.

Die wichtigste Frage bleibt: Haben die trüben Konjunkturdaten oder der stark gestiegene Frachtratenindex die beste Prognosekraft? Solange die Hypothekenprobleme nicht völlig aus dem Ruder laufen, die Wirtschaftsmächte von Morgen ihren Wachstumskurs halten und weiterhin Rohstoffe einführen müssen, haben Optimisten gute Argumente. Nur eine echte Kreditkrise würde den Welthandel in die Knie zwingen.

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