Bulle & Bär
Fußball-Aktien: Nur für die ganz Harten

Einer aktuellen Studie zufolge geht es den deutschen Fußballclubs so gut wie lange nicht mehr. An den Aktienkursen der Vereine sieht man das jedoch nicht. Für Anleger werden Fußball-Aktien nur in Ausnahmefällen interessant.

FRANKFURT. Das Wochenende rückt näher – Gott sei Dank! Am Freitagabend startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison; Klinsis Bayern empfangen den Hamburger SV. Die Zeit seit der Europameisterschaft war auch lang genug. Das bisschen Synchronspringen, Dressurreiten oder Feldhockey bei Olympia kann den echten Fußball-Fan nur kurzzeitig ablenken – wenn überhaupt. Umso größer ist die Vorfreude auf die neue Spielzeit, schließlich wird ein neues Rekordjahr erwartet.

Einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young zufolge geht es deutschen Proficlubs jedenfalls so gut wie schon lange nicht mehr. Fast alle Vereine arbeiten profitabel. Die große Depression, die noch Anfang des Jahrtausends herrschte, als das Kirch-Imperium zusammenbrach und die Preise für die TV-Rechte an der Bundesliga auf Ramschniveau fielen, ist längst vergessen. Die Erinnerungen daran, dass einige Traditionsclubs kurz vor der Pleite standen, sind verblasst.

Europaweit hat sich der Profifußball zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt. Die UEFA-Champions-League etwa, die Königsklasse des europäischen Vereinsfußballs, ist mittlerweile fast 900 Millionen Euro schwer. Der Großteil des Geldes fließt in die Kassen der Vereine.

An den Aktienkursen der börsennotierten Fußballclubs ist der Aufschwung aber fast vollkommen vorüber gegangen. So hat der Eurokick-Index für europäische Fußballaktien seit dem Start im Dezember 2000 mehr als 20 Prozent verloren. Und auch der Dow Jones Stoxx Football-Index, der Anfang der 90er Jahre mit großem Pomp eingeführt wurde, hat seine beste Zeit lange hinter sich: Von über 500 Punkten im Jahr 1996 ist er mittlerweile unter 200 Punkte abgerutscht.

Besonders miserabel entwickelten sich etwa die Papiere von Ajax Amsterdam und dem türkischen Spitzenclub Galatasary Istanbul. Aber auch Borussia Dortmund, der einzige deutsche börsennotierte Club, mutete seinen Anteilseignern so Einiges zu. Elf Euro kosteten die BVB-Aktien beim Börsendebüt am 31. Oktober 2000; mittlerweile bekommen Investoren das Papier für 1,50 Euro hinterher geschmissen.

Fußball-Aktien sind naturgemäß abhängig vom kurzfristigen Erfolg der Mannschaft. Zwickt die Wade des Torjägers, sind schnell fünf Prozent des Börsenwertes futsch. Anleger, die von ihrem Geld länger etwas haben wollen, sollten deshalb die Finger von den Papieren lassen – trotz der allgemeinen Euphorie.

Interessant werden Fußball-Aktien nur dann, wenn sich irgendein US-Milliardär oder russischer Oligarch ein neues Spielzeug zulegen will. So geschehen im Frühjahr 2005, als US-Investor Malcolm Glazer seine Liebe zum britischen Vereinsfußball entdeckte und den Kult-Club Manchester United kaufte. Als durchsickerte, dass der Investor sich für ManU interessiere, kletterte der Aktienkurs kräftig. Abgesehen von Übernahmefantasien gilt aber: Fußball-Aktien sind nur etwas für die ganz harten Fans.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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