Bulle & Bär
Fußball-Zins-Produkte: Alles nur Murks

Der Fußballfan ist ein emotionaler Zeitgenosse. Gewinnt seine Mannschaft, lässt er es so richtig krachen. Laut hupend fährt er mit seinem Auto durch die Straßen und johlt dem Nachbarn ein Ständchen, in dem die Worte "super" und "olé" garantiert nicht fehlen.

HB FRANKFURT. Sogar Trinkgeld gibt er dann an der Pommesbude um die Ecke. Auch bei einer Niederlage seines Clubs neigt der Fan dazu, sich lautstark kundzutun. Das Lied singt er aber nicht seinem Nachbarn, sondern dem Schiedsrichter. Super und olé kommen darin nicht vor, der Text ist meist deftiger. Aber lassen wir das an dieser Stelle besser.

Emotionale Menschen haben bekanntlich kein gutes Händchen, wenn es darum geht, das eigene Vermögen zu vermehren. Das ist an der Börse so, aber auch am Bankschalter, wo es häufiger um Tagesgeld oder Sparkonten als um Aktien geht.

Viele Studien haben belegt, dass bei Anlageentscheidungen der kühle Rechner gefragt ist. Bauchtypen und Hitzköpfe, die sich von ihren Emotionen leiten lassen, schnitten meist schlecht ab. Wer bösartig ist, könnte den Banken unterstellen, genau daran gedacht zu haben, als sie ihre verschiedenen Fußball-Zins-Produkte entwickelt haben.

So wie etwa die Hypo-Vereinsbank mit ihrer FC-Bayern-München-Sparkarte, Citibank mit ihrem Werder-Bremen-Champions-Zins oder die Sparda mit der "Schwarzgelben" Borussia-Dortmund-Karte. Die Geldhäuser sprechen mit diesen Produkten das Herz der Fans an, nicht das Rechenzentrum in ihrer linken Gehirnhälfte.

Welcher Werder-Freund kann schon widerstehen, wenn er in einer Citibank-Filiale die großen Werbeplakate mit seinen Idolen sieht. Champions-Zins - das klingt nach Europapokal und einer Menge Geld. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat genau nachgerechnet, was die Fußball-Konten und-karten tatsächlich taugen. Das Ergebnis: Die Produkte sind fast ausnahmslos Murks.

Zwar versprechen die Banken neben einer Grundverzinsung einen erfolgsabhängigen Bonus. Dass dieser aber nicht unbedingt etwas mit Toren und Punkten zu tun haben muss, zeigt die FC-Bayern-Sparkarte. Mit deutlichem Vorsprung haben die Bajuwaren vergangene Saison den Titel geholt, dazu gab's den DFB-Pokal. Und was hatten die Fans davon?

Bei einem Anlagebetrag von 2 500 Euro sprang ein effektiver Zinssatz von 2,27 Prozent heraus. Ziemlich mau für einen Champion; jedes Tagesgeldkonto bringt mehr. Fans sollten ihr Geld nicht für derlei Lockangebote ausgeben. Es lohnt sich nicht. Dann doch besser sein Geld in eine leckere Stadionwurst investieren. Daran verdient der Club - und nicht die Bank. Das findet der echte Fan im Zweifelsfalle sogar besser.

Den Banken bleibt zu wünschen, dass die Fußball-Fans die Studie der Verbraucherzentrale nicht in die Hände bekommen. Ansonsten gäbe es womöglich ein Ständchen in der Schalterhalle. Olé und super würden im Liedtext garantiert nicht vorkommen. Aber das ist reine Spekulation. Lassen wir das besser an dieser Stelle.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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