Bulle & Bär
Gazprom in der Warteschleife

Der Kreml und der russische Energiekonzern Gazprom halten Auslandsanleger hin. Dabei sollten diese die Umsetzung der Marktliberalisierung abwarten. Sonst droht ein böses Erwachen.

MOSKAU. Das Drehbuch der Gazprom-Story liest sich wie eine unendliche Geschichte. Die ausländischen Anleger, die Aktien des – von der Fördermenge her – weltgrößten Energiekonzerns kaufen wollen, befinden sich in einer permanenten Warteschleife. Immer wieder versprechen Regierung oder Konzernführung, nun aber wirklich in allerkürzester Frist alle Beschränkungen für ausländische Aktionäre aufzuheben. Dann verstreichen wieder Monate und nichts passiert.

Nachdem sich der Kreml die Mehrheit bei Gazprom gesichert hatte, sollten alle Begrenzungen fallen, die den Aktienhandel heute noch zwischen In- und Ausländer aufteilen. Soweit das Versprechen. Doch der Staat hat die zum Mehrheitspaket nötigen Aktien von Gazprom längst unter seine Kontrolle gebracht, die Beschränkungen für ausländische Investoren wurden dennoch nicht gelockert. Weiterhin dürfen Ausländer offiziell nur die – deutlich teureren – im Westen wie Aktien gehandelten Gazprom-Hinterlegungsscheine (ADR) kaufen. Nur Russen dürfen die normalen Gazprom-Aktien besitzen und von der unendlichen Geschichte profitieren.

Sind Staatseinfluss und gebrochene Versprechen an sich schon Grund genug, einen Bogen um Gaz-prom-Aktien zu machen, schnappt auch noch die Analysten-Falle zu: Obwohl der Kurs bereits Schwindel erregende Höhen erreicht hat und Gewinnmitnahmen noch niemanden ärmer gemacht haben, halten die meisten Investmentbanken an ihren Kaufempfehlungen fest. Der Grund für die Durchhalteparolen ist so simpel wie logisch: Starren doch alle auf die Abschaffung der Aktienbeschränkungen für Ausländer. Spezialfonds von Investmentbanken haben sich schon jetzt über den Umweg, eine in Russland ansässige Tochterbank zu haben, mit inländischen Gazprom-Aktien eingedeckt – und zwar „bis Oberkante Unterlippe“, wie ein westlicher Fondsmanager in Moskau verrät.

Also muss bis zur Aufhebung der Begrenzung für Ausländer und dem dann zu erwartenden Kursfeuerwerk für die Inlandspapiere Gazprom artig die Stange gehalten werden. Denn die Inlandsaktien dürften nach übereinstimmender Analystenmeinung dann in Windeseile zu den deutlich teuren ADR-Anteilsscheinen aufschließen: diese seien realistisch bewertet, die Inlandsaktien unterbewertet. Solange fällt also kein schlechtes Wort über den Giganten. Immerhin erlaubt sich die Citigroup darauf hinzuweisen, dass Gazprom-Papiere schon jetzt mit einem Aufschlag gegenüber vergleichbaren russischen Titeln und Schwellenländer-Werten gehandelt werden und das Kursziel erreicht sei.

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