Bulle und Bär
Geduldsprobe bei Infineon

Sieben Jahre sind in der Chipindustrie eine Ewigkeit. Es gibt kaum eine andere Branche, die sich so schnell wandelt. Jeden Tag werden die Halbleiter kleiner, leistungsfähiger und damit billiger.

SINGAPUR. Sehr zum Ärger der Aktionäre von Infineon hat sich seit dem Börsengang vor sieben Jahren eines aber nicht geändert: Der Aktienkurs des Münchener Chipherstellers kommt nicht voran. Das im Dax notierte Papier kostet derzeit rund elf Euro. Das ist weniger als ein Drittel dessen, was Siemens für eine Aktie kassierte, als der Konzern im Frühjahr 2000 seine Halbleitersparte aufs Parkett brachte.

Dass der Infineon-Kurs nicht aus dem Keller kommt, liegt an einer gefährlichen Mischung aus immer neuen Skandalen und schlechten Zahlen. Der Rauswurf des neuen Finanzvorstands Rüdiger Günther ist das jüngste Glied in einer langen Kette von Vorfällen, mit denen Europas zweitgrößter Chiphersteller das Vertrauen der Anleger verspielt hat. Nur vier Monate war der Ex-Chef des Landmaschinenproduzenten Claas im Amt. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, er sei schlicht ein "Fehlgriff" gewesen.

Viele Anleger werden sich noch gut daran erinnern, wie auch der langjährige Vorstandschef Ulrich Schumacher im Frühjahr 2004 über Nacht gehen musste. Angeblich kamen seine Vorstandskollegen nicht mehr mit seinem Führungsstil klar. Oder wie plötzlich bei einem anderen Vorstand die Staatsanwaltschaft vor der Tür stand und wegen Korruption ermittelte. Unvergessen ist auch die Millionenstrafe wegen Kartellabsprachen in den USA. Als wäre das nicht genug, schockiert Infineon die Märkte schon fast regelmäßig mit tief roten Zahlen.

Angesichts dieser Katastrophen fällt es schwer, an eine Wende zum Besseren zu glauben. Doch so aussichtslos ist die Hoffnung auf höhere Kurse nicht. Zumindest ab 2008 könnte es bergauf gehen. Mut macht vor allem die Kommunikationssparte, eines der zwei Standbeine, auf dem Infineon künftig stehen wird. In den letzten Monaten hat die Sparte wichtige neue Kunden wie Apple oder Nokia gewonnen, die jetzt nach und nach Umsätze bringen. Zudem ist Infineon im Geschäft mit Chips für Billighandys gut im Rennen.

Dazu kommt, dass Infineon nun damit beginnen wird, den Anteil an Qimonda-Aktien - immerhin noch 86 Prozent - abzubauen. Infineon-Chef Wolfgang Ziebart will Qimonda loswerden, weil das Speichergeschäft stark schwankt und sich hohe Gewinne mit riesigen Verlusten abwechseln. Spätestens in anderthalb Jahren möchte sich Ziebart von der letzten Qimionda-Aktie getrennt haben. Dann würde sich das Unternehmen ganz auf das berechenbarere Geschäft mit Telekommunikationskonzernen, der Autoindustrie und einigen anderen Branchen konzentrieren.

Dann könnte Infineon endlich das gelingen, was der Konzern in den vergangenen sieben Jahren noch nie geschafft hat: über längere Zeit verlässlich in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Es wäre eine gute Grundlage dafür, dass sich der Aktienkurs auf einem höheren Niveau einpendelt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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