Bulle & Bär
Gefährliche Gier

Eine neue Generation von aktiven Tradern bis hin zu Zockern ist am Werk. Noch trifft man sie selten, verglichen mit den Euphoriejahren zur Jahrtausendwende. Doch die Zahl wächst. Dabei sind die Risiken allgegenwärtig.

FRANKFURT. Es passiert abends im Café, völlig unvorbereitet. Am Nebentisch tauschen zwei Gäste Zahlen aus. Ich habe gerade nachgelegt, sagt der eine. Ich bin jetzt drin – bei über zehn, ergänzt er. Autos sind mir eigentlich lieber, deshalb habe ich bei GM zugegriffen, sagt der andere.

Es geht um Silber und General Motors, wo sonst über die letzte Party oder den Ärger mit Kollegen geredet wird. Der Unzenpreis hat sich oberhalb von zehn Dollar etabliert. Die Aktie der krisengeschüttelten General Motors kostet nur noch ein Fünftel ihres Top-Preises und sieht daher billig aus.

Angesichts der blendenden Gewinnmöglichkeiten seit dem Start des Wiederaufschwungs vor genau drei Jahren ist die Lust an der Börse wenig überraschend. Aktienkurse haben sich weltweit fast verdoppelt, bei den Dax-Werten lief es noch besser. In einigen Schwellenregionen wie Osteuropa konnten Anleger ihren Einsatz sogar locker verdreifachen. Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wie vor sechs Jahren riecht es nach Überteuerung.

Manche Börsianer beschreiten den goldenen Mittelweg. Sie wollen den Trend so lange wie möglich nutzen, gleichzeitig aber bei immer möglichen massiven Rückschlägen nicht ihren ganzen Gewinn aufs Spiel setzen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn sogar institutionelle Investoren legen hier und da ihre Risikoscheu ab und beginnen nach mehr zu gieren. Ihnen schmeckt es überhaupt nicht, dass sie mit ihrem vorsichtigen Vorgehen viele Renditeprozente verschenkten. Das registriert beispielsweise Bernd Borgmeier, Chef-Anlagestratege bei der renommierten Privatbank Sal. Oppenheim.

Bei den Institutionellen kommt hinzu, dass sie jetzt auch wieder mutiger werden dürfen. Während der Haussejahre haben sich Kursgewinne in ihren Büchern aufgebaut. Damit sind auch die Bilanzreserven gewachsen. Großanleger wie etwa Altersvorsorgeeinrichtungen müssen aufsichtsrechtliche und interne Vorgaben zur Risikobegrenzung erfüllen. Mit größerem Polster im Rücken können sie nun mehr Geld in Aktien investieren. Ein „Können“ bedeutet nicht „Müssen“. Der Oppenheim-Experte empfiehlt eine defensivere Strategie: Großinvestoren sollten die Sicherheitslinie nach oben ziehen, also Aktienbestände bei relativ hohen Kursen absichern.

Das ist auch ein guter Rat für Privatanleger. Gewinne laufen lassen empfiehlt sich zwar. Doch mit steigenden Kursen sollten Anleger die Sicherheitsmarke, bei deren Erreichen sie Papiere verkaufen oder Bestände sichern, nach oben ziehen. Damit stehen sie auf der richtigen Seite, wenn der Trend an der Börse nach unten dreht.

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