Bulle & Bär
Gegen Zinsen gibt es kein Zaubermittel

Eine Zinswende wie EZB-Präsident Trichet sie andeutete, zieht alle Anlageklassen in Mitleidenschaft - ob nun Anleihen, Aktien oder Immobilien. Da stellt sich die Frage, mit welcher Strategie man richtig liegt.
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DüsseldorfDer Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hat eine Zinswende angedeutet. Und selbst in den USA wird davon geredet, in absehbarer Zeit die Politik des Billigstgelds einzustellen und die Zinsen wieder anzuheben. Was bedeutet das für Anleger?

Zunächst die Frage: Wie dramatisch wird die Zinswende ausfallen? Weil Trichet mit seinen Anmerkungen vor allem ein politisches Signal aussenden und die eigene Glaubwürdigkeit stärken wollte, sollte sich die Dramatik in Grenzen halten. Für die USA rechnen viele Beobachter erst im kommenden Jahr mit einer Anhebung der Leitzinsen.

Außerdem sollte man vorwegschicken, dass die Entwicklung auch ganz anders laufen kann als geplant: Wenn die Unruhen im Nahen Osten auf Saudi-Arabien übergreifen, geht möglicherweise der Ölpreis durch die Decke, die Konjunktur bricht ein und die Geldpolitik behält den Fuß auf dem Gaspedal. Aber bisher darf man doch hoffen, dass es so schlimm nicht wird.

Alles in allem werden wir in den nächsten Jahren wahrscheinlich langsam steigende Zinsen sehen, nachdem wir beinahe jahrzehntelang sinkende hatten. Und das wird gravierende Auswirkungen haben. Denn beinahe alle großen Vermögensklassen leiden unter steigenden Zinsen: Die Kurse von Anleihen fallen, weil die Papiere unattraktiv gegenüber neuen Bonds mit höheren Zinsen werden. Aktien geraten aber auch unter Druck, weil Anleihen relativ mehr einbringen. Bei Immobilien spielt die Finanzierung eine Rolle, und die wird mit steigenden Zinsen teurer. Bei Gold fällt die Tatsache, dass es keine Zinsen bringt, bei höheren Zinsen stärker ins Gewicht. Es gibt also kaum Anlageklassen, die nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Idee, dass man sein Vermögen auf verschiedene Anlagearten aufteilen sollte, ist zwar richtig – hilft aber letztlich nur bedingt.

Realzinsen beachten

Eine wichtige Frage ist noch, ob die Zinsen nur nominal steigen oder auch real, also nach Abzug der Inflationsrate. Die Gefahr einer steigenden Inflation wird wahrscheinlich, vor allem in Deutschland, überschätzt. Aber ein wenig höher dürften Preissteigerungsraten schon werden – allein schon, um die Ungleichgewichte innerhalb Europas etwas schonender abbauen zu können. Der Theorie nach sind Aktien gegen Inflation immun, weil es sich um Realwerte handelt. In der Praxis haben sie aber oft trotzdem gelitten – vielleicht, weil die optisch höheren Zinssätze das Kapital in andere Anlagen ziehen. Etwas mehr Inflation könnte aber den Immobilienpreisen Auftrieb geben – und den Goldpreis doch weiter stützen.

Mit welcher Strategie liegt man richtig? Ein Zaubermittel gibt es nicht. Aber bei Aktien sollte man auf hohe Dividendenrendite und niedrige Verschuldung achten, das macht weniger anfällig für steigende Zinsen. Ähnliches gilt für solide finanzierte Immobilien mit hohen Mietüberschüssen. Und es schadet nicht, etwas Geld auf dem Tagesgeldkonto zu lassen, um später Anleihen zu kaufen, wenn die Zinsen schon gestiegen sind. 

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