Bulle & Bär
Gelassene Bayer-Gläubiger

Stell Dir vor, es gibt eine Ratingherabstufung - und kein Anleger verkauft. Nach diesem Motto haben die meisten Gläubiger des Bayer-Konzerns reagiert, der Zinspapiere über knapp zwölf Mrd. Euro ausstehen hat.

FRANKFURT. Obwohl die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) in dieser Woche die Bonitätsnote von Bayer um gleich zwei Stufen auf "BBB+" - entsprechend mittlerer Bonität - zurückgenommen hat, hielten sich die meisten Bayer-Bonds stabil. Sie haben allerdings - wie alle Firmenbonds - in diesem Jahr schon gelitten, denn deren Kurse sind deutlich gefallen.

Auslöser dafür, dass S&P den Daumen gesenkt hat, ist, dass der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern für 17 Mrd. Euro den Konkurrenten Schering kauft. Mittlerweile halten die Leverkusener 92,4 Prozent der Schering-Aktien und wollen auch den restlichen Anteil aufkaufen. Das verschlechtert das Finanzprofil.

Dass die Anleihen so wenig auf die Herabstufung reagiert haben, liegt daran, dass der Markt derartiges erwartet hatte. So begab Bayer im Mai neue Anleihen über insgesamt zwei Mrd. Euro, die nur mit einer Rendite auf dem Niveau von Bonds mit dem Rating "BBB+" platziert werden konnten. Für die in knapp sieben Jahren fällige-Anleihe bot der Konzern bei der Emission eine Rendite von rund 4,5 Prozent, inzwischen ist sie auf knapp 4,7 Prozent gestiegen und lag zwischenzeitlich sogar noch höher. Ein Schnäppchen ist die Anleihe damit nicht. Die meisten Banken bewerten die Bayer-Bonds lediglich mit der Einstufung "neutral".

Zwischenzeitlich hatten die Anleihebesitzer und auch Bayer selbst gehofft, dass die Herabstufung moderater ausfällt und der Konzern sein Rating im "A"-Bereich für gute Schuldner behält. Denn durch den Verkauf der Diagnostic-Sparte an Siemens kommen netto 3,6 Mrd. Euro in die Kasse.

"Insgesamt ist der Netto-Effekt aber angesichts des hohen Kaufpreises für Schering nicht sonderlich groß", sagt Olaf Tölke, zuständiger Analyst bei S&P. Er geht zwar davon aus, dass Bayer das Geld zum Schuldenabbau verwendet, aber ein Rest von Zweifel bleibt offensichtlich.

Nach Ansicht von S&P sind Bayers-Finanzkennzahlen für ein "A"-Rating eigentlich schon seit der Übernahme von Aventis Crop Science im Jahr 2002 zu schwach. Ob das Rating jetzt um nur um eine oder zwei Stufen heruntergesetzt wird, hatte die Agentur von Gesprächen mit dem Management abhängig gemacht. "Dabei fehlte uns aber das eindeutige Bekenntnis dazu, dass der Schuldenabbau Vorrang hat", betont Tölke.

Der Konzern habe zwar gesagt, dass er in den kommenden Jahren keine weiteren fremdfinanzierten Übernahmen plane, ausschließen wollte er das aber nicht. Immerhin hat das neue Rating einen positiven Ausblick. Grund zur Panik und raschen Verkäufen besteht für die Bondbesitzer also in der Tat nicht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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