Bulle & Bär
Geldanlage: Rasch auf den Parkplatz!

Die Börsianer haben den Schock noch nicht verdaut. Innerhalb weniger Handelstage ist ihr Weltbild über den Haufen geworfen worden. Am heftigsten reagieren die Währungen. Der Dollar zeigt völlig unerwartet Stärke, während der Euro abschmiert. Viele Marktteilnehmer hatten sich auf einen weiter schwachen Greenback eingestellt.

Nur der tat ihnen den Gefallen nicht - im Gegenteil. Der Euro stürzte in vier Wochen von über 1,60 auf unter 1,47 Dollar. Das ist schon ein mittelschweres Beben.

Viele scheinbar verlässliche Säulen im Börsenbild sind zerbröselt. Der Dollar ist plötzlich stark, weil die Börsianer erkennen, dass Europa keine Insel der Glückseligen ist: Die Konjunktur in der Euro-Zone kann sich nicht von der starken Abkühlung in den USA abkoppeln. Jüngste Wachstumszahlen haben das eindrucksvoll demonstriert und den Euro auf Talfahrt geschickt.

Dieser Wechsel des Weltbildes erklärt auch, warum die Börsianer die jüngsten Inflationszahlen ignorieren. Sowohl in den USA als auch in Europa erreichen die Geldentwertungen die höchsten Stände seit Jahrzehnten. Doch die Anleger erwarten, dass eine wirtschaftliche Abkühlung die Inflation bändigen wird. Anders ist die Reaktion der Anleihemärkte nicht zu erklären: Die Kurse stiegen eher, obwohl Anleger mit Festverzinslichen bei den aktuellen Inflationsraten real verlieren. In normalen Zeiten hätten Bonds auf die Daten mit Kursstürzen reagiert.

Aber die Zeiten sind nicht "normal". Aus Sicht eines typischen Privatanlegers und auch mancher Profis werden die Entwicklungen an den Kapitalmärkten immer weniger kalkulierbar. Nun deutet sich außerdem noch - und wieder einmal - eine weitere Zuspitzung der internationalen Kreditkrise an.

Das passiert zu einer Zeit, in der alle Wertpapieranlagen eigentlich zu teuer sind: von Aktien bis hin zu Anleihen. In den vergangenen zwölf Monaten haben Anleger mit Aktien bis zu einem Fünftel ihres Geldes eingebüßt, spekulative Anleihen liegen in den Miesen, auch risikolose Euro-Staatstitel produzierten inflationsbereinigt Verluste. Rohstoffe liegen zwar noch deutlich im Plus. Doch wurden vor allem Öl und Industriemetalle in den letzten Wochen von den eingetrübten Konjunkturperspektiven und dem starken Dollar nach unten gerissen.

Für konservative Anleger bleibt die entscheidende Frage: Was tun in einer Anlagewelt, in der die Ampeln für alle Vermögensformen auf Rot geschaltet scheinen? Eine mögliche Antwort ist die zeitweilige Abkehr von der typischen Renditejagd. Es gibt Phasen, in denen der Kapitalerhalt wichtiger ist als eine mit hoher Verlustwahrscheinlichkeit befrachtete Suche nach Mehrertrag. Das würde für die kommenden Monate bedeuten: In den sauren Apfel beißen und einen größeren Teil des Geldes in kurzfristigen Zinsanlagen parken. Mutige Anleger können Anteile an Edelmetallen und unterbewerteten Aktien dazugeben - aber keine Finanzwerte.

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