Bulle & Bär
General Electric: Der grüne Riese

Bisher hatte Jeff Immelt wenig Glück mit der Börse. Seit er 2001 die Leitung von General Electric (GE) übernahm, ging es zunächst einmal bergab mit dem Aktienkurs – und danach seitwärts, während die meisten anderen Aktien schon wieder deutlich anzogen. Doch eine von vielen belächelte Strategie könnte ihm jetzt nützlich sein.

DÜSSELDORF. Immelt hat im wesentlichen die Strategie seines Vorgängers Jack Welch fortgesetzt: permanent den riesigen Konzern umbauen, unrentable Teile abstoßen, chancenreiche hinzukaufen. Immelt hat viel bewegt, zum Beispiel das Rückvesicherungsgeschäft und die Plastiksparte verkauft. Und die Zahlen sind ganz gut.

Trotzdem hört er viel Kritik und bekommt hin und wieder den guten Ratschlag, den ganzen Konzern aufzuspalten. Besonders unsinnig ist dabei die gelegentlich geäußerte Idee, sich von der lukrativen Finanzsparte zu trennen. Dabei profitiert gerade dieser Bereich besonders davon, Teil des mächtigsten Industriekonzerns der Welt zu sein: Das verschafft ihm ein hervorragendes Rating und damit eine bessere Gewinnmarge, als er allein erreichen könnte.

Immelt hatte zunächst einmal unter der fast schon religiösen Verehrung zu leiden, die die Aktionäre seinem Vorgänger Jack Welch entgegenbrachten. Der hatte in 20 Jahren als GE-Chef den Gewinn vervielfacht. Während Konglomerate normalerweise mit einem Malus bewertet werden – also niedriger als ihren Einzelunternehmen entsprechen würde –, gab es für Welch einen Bonus. Normalerweise mögen Analysten Konglomerate nicht, weil sie sie nicht verstehen – bei Welch haben viele einfach darauf vertraut, dass er es schon richtig macht.

Dieser Bonus verschwand zunächst einmal mit Welchs Abgang – ein wichtiger Grund für die schlechte Kursentwicklung, der sich aber mittlerweile überholt haben dürfte. Doch wenn eine Aktie einmal schlecht läuft, dann bleibt das blasse Image oft sehr lange an ihr kleben. Was könnte sie zu neuem Leben erwecken?

Möglicherweise der eine entscheidende Schritt, mit dem Immelt sich deutlich von seinem Vorgänger abgesetzt hat. Im Jahr 2004 definierte er GE neu als „grünen“ Konzern. Zunächst wurde er belächelt. Seine Aktion wirkte bei einem Hersteller von Kraftwerken und Flugzeugturbinen ungefähr so, als würde Michael Schumacher für ein Drei-Liter-Auto werben. Inzwischen zeigt sich, dass Immelt Trendsetter war: Immer mehr Konzerne definieren sich über ihr Umweltengagement.

Hinzu kommt: Ein gigantischer Maschinenbau- und Kraftwerkskonzern kann ganz praktisch sehr viel mehr für Energieeffizienz tun als alle in Heiligendamm versammelten Politiker. Und weil „grün“ inzwischen Trendfarbe ist, lässt sich damit auch Geld verdienen.

Es besteht also die Chance, dass sich das Bild wandelt und Immelt bald nicht mehr als Nachfolger von Welch sondern als Pionier der „grünen“ Welle gilt. Mit diesem Image kann er wieder höhere Aktienbewertungen erreichen.

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