Bulle & Bär
General-Motors-Bonds: Gefährliche Versuchung

Anleger auf der Suche nach hohen Anleiherenditen könnten bei den Bonds des gebeutelten Autokonzerns General Motors (GM) in Kauf-Versuchung geraten. Für zum Beispiel eine in knapp fünf Jahren fällige Euro-Anleihe der Detroiter gibt es eine jährliche Rendite von über 20 Prozent.

FRANKFURT. Das heißt, dass Anleger, die den Bond jetzt kaufen, ihr Geld verdoppeln, wenn die Anleihe in fünf Jahren zurückgezahlt wird. Anleger sollten sich von solchen Überlegungen aber nicht blenden lassen. Denn ob sie ihr Geld tatsächlich in fünf Jahren wiederbekommen ist sehr ungewiss. Erst in der vergangenen Woche hat GM ein Programm vorgestellt, mit dem die Liquidität bis Ende 2009 gesichert werden soll. Sparmaßnahmen und der Verkauf von weiteren Vermögensteilen sollen 15 Mrd. Dollar in die Kasse spülen. Laut Analysten zeigt das Maßnahmepaket aber lediglich, wie verzweifelt der Konzern ist.

In den roten Zahlen ist General Motors schon lange, und auch für den nächsten Quartalsbericht hat Vorstandschef Rick Wagoner einen "signifikanten" Verlust angekündigt. Der Absatz im wichtigen US-Markt sinkt immer mehr. Gerade die spritfressenden Geländewagen, Pick-ups und Vans, finden angesichts des hohen Ölpreises immer weniger Abnehmer. Jahrelang hatte der Konzern den Absatz mit Rabatten und Krediten künstlich hochgehalten, das zehrte an den Margen. Entsprechend gelten die Bonds von GM - wie auch die des Konkurrenten Ford - per Definition der Ratingagenturen schon lange als stark ausfallgefährdet und damit als Ramsch. In die damals noch oberste Kategorie des Ramsch- oder Junk-Bereichs wurden die Anleihen von GM und Ford vor drei Jahren herabgestuft. Seitdem gab es zahlreiche weitere Down-grades. Bei Moody's hat GM seit gut zwei Jahren ein Rating von nur noch "Caa1", das ist die fünftschlechteste Note.

Trotzdem sind die Kurse der GM-Bonds erst in den vergangenen Wochen so richtig gefallen. Ein Auslöser dafür war eine Studie von Merrill Lynch, in der die Investmentbank den zusätzlichen Liquiditätsbedarf von 15 Mrd. Dollar prognostizierte und zeitgleich einen GM-Konkurs nicht ausschloss.

Dazu dürfte der im Zuge der Finanzkrise erwartete Konjunktureinbruch die zyklischen Autokonzerne besonders hart treffen. Außerdem sind die Chancen, dass die US-Regierung GM im Zweifelsfall vor einem Konkurs retten würde, gesunken. Zum einen hat der Konzern schon viele Stellen gestrichen und verliert von daher politisch an Bedeutung. Zum anderen hat die US-Regierung derzeit mehr als genug Baustellen. Priorität hat die Stützung der im staatlichen Auftrag gegründeten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Geld für GM dürfte da kaum noch übrig sein.

Fazit: Bonds von GM und - auch von Ford - sind etwas für Zocker, die auf kurzfristige Kurserholungen setzen. Damit hatten sie bis vor einem Jahr auch Erfolg. Für langfristig orientierte Anleger sind die Bonds indes nichts.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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