Bulle & Bär
Gestutzter Überflieger

Joachim Hunold packt gerne zu. Der Vorstandschef des Ferien- und Billigfliegers Air Berlin verleibte seinem Imperium einen Konkurrenten nach dem anderen ein. Die Krönung des Eroberungszugs wäre der Griff nach Condor gewesen, doch Hunold blies die Übernahme der einstigen Tochter des Erzrivalen Lufthansa ab. Die Gründe für den Rückzug.

DÜSSELDORF. Die wirtschaftliche Lage habe sich radikal geändert, lautet die Begründung. Hunold hätte sich mit dieser weiteren Übernahme schlicht übernommen.

Der Rückzug soll dem Unternehmen den Spielraum verschaffen, die Übernahmen von LTU und Co. zu verdauen. Die unter Druck geratene Air-Berlin-Aktie hat gute Nachrichten bitter nötig. Der Kurs rutschte von der Einstiegsnotierung im Mai 2006 um gut 60 Prozent auf derzeit rund 3,60 Euro. Seit dem Hoch im Mai 2007 bei rund 20 Euro brach das Papier sogar um 80 Prozent ein.

Bietet diese niedrige Bewertung den Einstieg zum Schnäppchenpreis? Bereitet der Rückzug bei Condor dem Air-Berlin-Titel den Boden für eine Aufholjagd? Immerhin spart Deutschlands zweitgrößte Airline rund 300 Mill. Euro allein am Übernahmepreis. Die Kosten für die Integration noch gar nicht mitgerechnet.

Doch damit sind die Schwierigkeiten nur teilweise ausgeräumt. Der stark angezogene Ölpreis bereitet Airlines weltweit Probleme. Die internationale Vereinigung der Fluggesellschaften IATA rechnet damit, dass die Aufwendungen für Kerosin rund 40 Prozent der gesamten Kosten ausmachen. Vor fünf Jahren betrug der Anteil nur 13 Prozent. Die Air Berlin selbst rechnete im Bericht für das erste Quartal mit einem Mehraufwand für Flugbenzin von 80 Mill. Euro für das Gesamtjahr. Das sind zehn Prozent mehr als ursprünglich veranschlagt.

Der drohende konjunkturelle Abschwung belastet auch die Aussichten für das Fluggastaufkommen. Der von Hunold vollmundig angekündigte Angriff auf der Langstrecke kommt nicht voran. Die neu eingeläuteten Strecken von Düsseldorf nach Shanghai und Peking musste die Airline wieder abblasen. Der Kampf der Airlines um die Kunden wird künftig noch härter, die Margen schmaler. Daher werden die schwankungsanfälligen Airline-Aktien noch volatiler.

Bei der Konsolidierung der Luftfahrtbranche mischte die Air Berlin bislang tatkräftig mit. Doch genauso gut kann sie davon hinweggefegt werden - durch einen Konkurrenten oder Investoren wie Leonard Blawatnik. Der russischstämmige Milliardär hält bereits 18,94 Prozent an Air Berlin. Aber auf eine Übernahme zu hoffen, ist eine hoch riskante Spekulation. Und ob dabei ein satter Aufschlag für die Aktionäre abfällt, scheint sehr fraglich.

Die Analysten von Dresdner Kleinwort geben für die Aktie gar ein Kursziel von null Euro aus. Ganz so düster ist die Lage zwar nicht. Doch in nächster Zeit wird die Air Berlin mit sich selbst beschäftigt sein. Die große Wachstumsstory, wie sie auf dem Parkett gesucht wird, kann Air Berlin vorerst nicht präsentieren.

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