Bulle und Bär
Gesundheitsaktie mit Potenzial

"Guppy frisst Hai" titelte eine Kapstädter Boulevardzeitung, als zu Monatsbeginn durchsickerte, dass der südafrikanische Privatkrankenhausbetreiber Medi-Clinic in Kürze die große Schweizer Privatklinikgruppe Hirslanden übernehmen wird.

HB KAPSTADT. Am Kap stieß der Deal schon deshalb auf eine Mischung aus Stolz und Verblüffung, weil der Marktwert der Schweizer mit 2,8 Milliarden Franken fast doppelt so hoch liegt wie der der Medi-Clinic. Diese wird an der Börse zurzeit mit umgerechnet rund 1,5 Milliarden Franken bewertet.

Dennoch braucht sich Südafrikas drittgrößter privater Krankenhauskonzern nicht zu verstecken. Immerhin betreibt die Medi-Clinic am Kap 50 Hospitäler mit fast 7 000 Betten. Daneben ist die Gruppe, die in ihrem Segment am Kap einen Marktanteil von 26 Prozent hat, inzwischen auch in Dubai aktiv.

Bei genauerem Hinsehen relativieren sich die Verhältnisse weiter: Während Südafrikas Staatshospitäler verfallen, können es seine privaten Kliniken problemlos mit dem Standard der ersten Welt aufnehmen. Kein Wunder, dass Südafrikas umstrittene Gesundheitsministerin, deren Politik den Privatklinken schwer zusetzt, sich bei ihrer Lebertransplantation zur Jahresmitte in eine Privatklinik einbuchte.

Symptomatisch für den hohen Standard der Privatkliniken ist aber auch, dass immer mehr Patienten aus Europa ans Kap fliegen, um sich dort Schönheits- und anderen Operationen zu unterziehen. Obwohl die Aktie von Medi-Clinic zurzeit nicht gerade ein Schnäppchen ist, bieten sich mittelfristig für Anleger Gewinnchancen. Denn die Aussichten für das Unternehmen werden gerade wegen des Trends zur privaten Gesundheitsvorsorge und zum Medizintourismus als günstig eingestuft.

Die kurzsichtige Politik des Staates gegenüber den Privatkliniken erklärt auch, weshalb sowohl die Medi-Clinic als auch der große Konkurrent Netcare die Profite zuletzt nicht vor Ort, sondern jenseits der Kaprepublik angelegt haben. So gewährt der südafrikanische Staat nur höchst widerwillig Lizenzen für neue Krankenhäuser. Besonders schwierig gebärdet sich dabei die Kartellbehörde am Kap, die eine Expansion der Privaten innerhalb des kleinen einheimischen Marktes von rund sieben Millionen Privatkunden (15 Prozent der Gesamtbevölkerung) fast unmöglich macht.

Die Medi-Clinic hofft darauf, im Ausland weniger gegängelt zu werden. Die Südafrikaner bringen viel Expertise im Kostenmanagement mit, da dies am Kap wegen des kleinen Marktes an Privatversicherten eine Notwendigkeit ist. Der mutige Sprung nach Europa soll deshalb auch keine Ausnahme bleiben. Zukünftig wolle das Unternehmen auch in den Nachbarstaaten der Schweiz expandieren, sagt der Gründer und Präsident der Gruppe, der Narkosearzt Edwin Hertzog. Allerdings will die Medi-Clinic dabei wirtschaftlich ebenso solide wie im medizinischen Bereich agieren - und den Neukauf nun erst einmal gründlich verdauen.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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