Bulle & Bär
Gewinne rechtfertigen hohe Aktienkurse

Üblicherweise ist es um die Börsen schlecht bestellt, wenn Gerüchte und Hoffnungen die Kurse mehr bewegen als harte Fakten. Daran gemessen scheint die Zukunft an den Aktienmärkten eher düster zu sein. Doch andererseits gilt auch, dass Dividendenpapiere gemessen an den Unternehmensgewinnen nicht viel kosten sollen. So betrachtet steht es um die Börsen gar nicht schlecht.

Richtig ist, dass derzeit Spekulationen das Börsengeschehen bestimmen. Die Firmen schwimmen im Geld, Hedge-Fonds stemmen immer größere Käufe und greifen dabei auf billiges Fremdkapital zurück. Längst übertreffen die Beteiligungsgesellschaften mit ihren Übernahmen die Rekorde aus dem Boomjahr 2000.

Beinahe alle Aktienkurse profitieren von Fusionen oder entsprechenden Gerüchten. Selbst die ganz Großen – wie die Deutsche Telekom – sind davon nicht mehr ausgenommen. Schließlich können Private-Equity-Gesellschaften inzwischen Deals von mehr als 50 Mrd. Euro stemmen. Zudem scheint nach dem Teileinstieg des amerikanischen Investors Blackstone bei der Telekom nichts mehr unmöglich. Und wenn einmal nicht Übernahmen die Kurse treiben, dann sind es diffuse Hoffnungen auf bessere Zeiten. Paradebeispiel ist die Rally bei Volkswagen wegen des Einstiegs von Porsche oder aber die Aufbruchstimmung bei Siemens nach dem Abgang von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer.

Also viel heiße Luft um nichts? Ein Blick auf die Fakten lässt den schnellen Ritt an der Börse gar nicht so abenteuerlich erscheinen. Zwar steigt der amerikanische Dow Jones von Rekord zu Rekord. Und der Deutsche Aktienindex (Dax) verdoppelte sich in weniger als drei Jahren. Aber: Noch rechtfertigen die Unternehmen solche Kurse mit ihren Gewinnen.

Durchschnittlich bezahlen Anleger die Firmen im wichtigen S&P-500-Index in den USA derzeit mit dem 17-fachen des erwarteten Jahres-Nettogewinns. Dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) entspricht dem Durchschnitt in den letzten fünf Jahrzehnten. Zum Vergleich: Am Abend vor dem Platzen der Spekulationsblase Anfang 2000 blätterten Anleger für die S&P-Firmen doppelt so viel hin.

Ähnlich sieht es in anderen wichtigen Indizes aus. Die amerikanischen High-Tech-Konzerne bezahlen Anleger mit dem 24-fachen erwarteten Jahresgewinn. Vor sieben Jahren war es das 60-fache. Die Dax-Konzerne kosten den zwölfeinhalbfachen Jahresgewinn – 2000 war es das 28-fache. Und die Technologie-Aktien im TecDax notieren mit einem KGV von 17,5, nachdem der Vorgänger-Index Neuer Markt einst mehr als dreimal so hoch bewertet war.

Fazit: Spekulationen und heiße Gerüchte treiben zwar die Kurse; doch die starken Konzerngewinne machen die Börsen immer noch nicht teuer. Das ändert sich, sobald die Gewinne einbrechen. Danach sieht es allerdings nicht aus.

sommer@handelsblatt.com

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