Bulle und Bär
Gold – krisenfestes Metall

Erst muss man Gold mühsam aus dem Boden buddeln, und dann wirft es noch nicht einmal Zinsen ab. Mit diesem Argument machten sich früher die Skeptiker über die Anhänger des vermeintlich anachronistischen Metalls lustig. Heute ist alles anders. Aber nicht deshalb, weil Gold jetzt die magische Marke von 1 000 Dollar je Unze (31 Gramm) überwunden hat. Das Argument ist falsch.

FRANKFURT. Nominalzinsen und Nominalrenditen sind in den vergangenen Monaten kollabiert. Anleger flüchteten in den sicheren Hafen der Staatsanleihen und schickten so die Renditen auf Talfahrt. Gleichzeitig begannen die Inflationsraten nach oben zu schießen, haben teilweise langfristige Topwerte erreicht. Die Folge: Inzwischen sind die realen Renditen, also nominal abzüglich Inflation, in vielen Ländern negativ.

Anleger unterliegen beim Gedanken an den sicheren Hafen Anleihe, Termingeld oder Spareinlage einer klassischen Vermögensillusion. Insbesondere die amerikanischen Investoren verlieren weit mehr durch die Geldentwertung als sie über die Zinseinnahmen gewinnen. Euro-Anleger haben keinen Grund zum Jubeln. Auch hierzulande dürfte die Inflation weiter steigen und das reale Anlageergebnis zusätzlich - auch hier über die gesunkenen Nominalzinsen hinaus - verschlechtern.

Dafür sorgen die Notenbanken. Sie geben klare Signale, die Finanzmärkte weiterhin mit Liquidität fluten zu wollen, um ein Zusammenbruch des Kreditsystems zu verhindern - allen voran die Fed mit ihrem Chef Ben Bernanke. Ein Ende ist nicht absehbar, da fast täglich Meldungen über neue Schieflagen von Banken die Finanzwelt erschüttern. Es wird noch weit mehr Geld nötig sein. Und mehr Geld bedeutet schlicht mehr Inflation. Das Metall dagegen können die Notenbanker nicht per Knopfdruck vermehren. Wenn mehr Geld auf ein eher stabiles Goldangebot trifft, heißt das schlicht: Der Goldpreis wird weiter steigen.

Dafür sprechen auch die Vermögensstrukturierungen der Investoren weltweit. Die Großanleger sind im Schnitt mit maximal einem Prozent ihres Vermögens in Rohstoffen investiert, Gold liegt im Promillbereich. Das beginnt sich nun zu ändern. Aber Änderungen in den strategischen Allokationen von Großanlegern nehmen Jahre in Anspruch. Deshalb ist dieser Prozess erst in einem frühen Stadium. Der größte US-Pensionsfonds Calpers entschied erst vor kurzem, seine Rohstoffanlagen inklusive Gold in den kommenden zwei Jahren auf 7,2 Milliarden Dollar zu versechzehnfachen.

Das Metall kann seit dem Ausbruch der US-Hypothekenkrise weitere Vorteile ausspielen. Es ist genau das Gegenteil von den inzwischen verrufenen komplexen Finanzprodukten. Es hat einen jahrtausendelangen Erfolgsnachweis als transparente, liquide Anlage, als Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit. Hier ist ein "AAA" wirklich angebracht. Die Rating-Bestnote kann sich nicht als Fehlbewertung heraus stellen.

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