Bulle und Bär
Gold schlägt Aktien

Die Edelmetallpreise steigen weiter. Gold überwand jetzt die Marke von 920 Dollar je Unze - so teuer war es noch nie. Ein Umdenken hat in den Köpfen der Anleger eingesetzt: Früher belächelte Vermögensformen feiern ein Comeback, während bislang als Renditebringer geltende Anlageformen immer häufiger als risikoreich empfunden werden. Rohstoffe gewinnen zu Lasten der Aktien.

FRANKFURT. Die jüngsten Börsenturbulenzen bestätigen das seit der Jahrtausendwende geltende Paradigma eindrucksvoll. So haben Dax & Co. seit dem Jahresstart prozentual zweistellig verloren, während viele Rohstoffe - insbesondere Gold - fast ungebrochen haussieren.

Aber sind Edelmetalle auch jetzt noch attraktiver als Aktien? Um das zu beantworten hilft ein langfristiger Vergleich der relativen Preise. Über die vergangenen 100 Jahre zeigen US-Aktien und der Edelmetallpreis Zyklen: Der Quotient aus Dow-Jones-Index und Goldpreis erreichte immer bei Werten zwischen eins und zwei sein Tief. Dann lohnte der Umstieg von Gold in Aktien. Der letzte Zyklus begann im Jahr 1999 bei Werten über 40. Kurz vor dem 2 000er-Crash waren Aktien bei einem Dow von etwa 10 000 Zählern ein Verkauf und das bei 250 Dollar gehandelte Gold ein Kauf. Aktuell liegt die Relation bei 12 000 Indexpunkten geteilt durch einen Unzenpreis von 920 Dollar, also rund 13.

Von diesem Punkt an sind den Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Wenn der Quotient lediglich bis auf zwei fällt und der Dow auf dem aktuellen Niveau verharren würde, wäre Gold im langfristigen Zyklus erst bei einem Unzenpreis von 6 000 Dollar (12 000 : 2) ein Verkauf.

Das erscheint zwar aus heutiger Sicht undenkbar. Aber selbst das Erreichen der Parität von 1 : 1 und damit eines Goldpreises von 12 000 Dollar hat historische Vorbilder. Vor dem Start der Aktien-Jahrhunderthausse 1980 lag der Dow bei fast 900 Punkten, auch für die Unze Gold wurden damals nahezu 900 Dollar gezahlt. Anders gesagt: Gold hatte damals den Dow eingeholt. Ähnliche Verhältnisse errechnen die Historiker für Anfang der 30-er Jahre. Auch das waren Verkaufsjahre für Gold und Kaufjahre für Aktien.

Neben dem Zyklusargument sprechen Dollarverfall, Kreditkrise, steigende Inflation und die relativen Rohstoffpreise für die Attraktivität des Edelmetalls im Verhältnis zu Aktien. In den vergangenen vier Jahrzehnten zeigte insbesondere das Preisverhältnis von Gold und Öl ein verlässliches Muster. Die jetzige Relation von rund zehn, entsprechend 920 Dollar je Unze geteilt durch 90 Dollar je Barrel, liegt unter dem historischen Schnitt von 15. Bei konstantem Ölpreis wäre demnach eine Goldnotiz von fast 1 400 Dollar "normal". Spitzenwerte lagen bei 25, was den Gold-Zielpreis auf 2 250 Dollar bringen würde.

Börsianer sind zahlenfixiert. Und egal, was man von derlei Rechenspielen halten mag: Sie geben zumindest Hinweise auf das, was im historischen Kontext möglich wäre.

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