Bulle & Bär
Gold schlägt Geld

Ein Tag im Januar auf der A2 bei Recklinghausen: Die Polizei zieht einen Transporter mit 24 Tonnen Gold aus dem Verkehr. Begleitschutz gibt es keinen, und die Fracht ist schlecht gesichert. Gauner hätten ohne Probleme einen Coup der Extraklasse landen können. Sage und schreibe eine halbe Milliarde Dollar fahren da spazieren.

FRANKFURT. Wenn der Transporter am Mittwoch dieser Woche unterwegs gewesen wäre, hätten Diebe noch 15 Millionen Dollar mehr einsacken können – so nebenbei. An dem Tag sprang der Goldpreis um über drei Prozent und überwand die Marke von 680 Dollar je Unze (31 Gramm). Das ist der höchste Tagesgewinn seit dem Start der Goldhausse vor sechs Jahren.

Kleine Ursache, große Wirkung: Auslöser des Preishopsers waren amerikanische Inflationszahlen, die minimal über den Erwartungen der Börsianer lagen. Die Notenbanker um ihren Chef Ben Bernanke erklärten die Geldentwertung zwar zum Feind Nummer eins, aber ein leiser Zweifel blieb. Wie gut, dass die alten Börsenreflexe noch funktionieren. Gold gilt traditionell als Inflationsschutz. Das ist jetzt eindrucksvoll belegt.

Erfahrene Beobachter werden ergänzen, dass die Kapitalmärkte die tatsächlichen Inflationsgefahren möglicherweise noch unterschätzen. Die amerikanische Inflation erreicht zwar nur 2,7 Prozent. Doch die Geldmengen wachsen international mit fast zweistelligen Jahresraten, teilweise sogar noch stärker. Diese Veränderungen liefern vielleicht bessere Anhaltspunkte für die künftige Geldentwertung als Inflationszahlen.

Auch fundamental bietet das Edelmetall ein attraktives Bild. Die Nachfrage steigt, während die Minen weniger fördern. Der Preisauftrieb lockt schon die Abenteurer. Als zur Jahreswende ein armer brasilianischer Landarbeiter mit seinem Goldfund am Rio Juma prahlte, blieb er nicht lange allein. Jetzt strömen Tausende von Glücksrittern in die gottverlassene Urwaldgegend bei Apui und stochern im Flusssand nach Nuggets. Reich wird dabei kaum einer.

Die Börsianer sind besser dran. Sie meiden gefährliche Ausflüge, ordern das Metall oder die Minenaktien ganz bequem vom Wohnzimmersessel aus. Und immer mehr Anleger erwärmen sich für „Au“, so das chemische Kürzel für Gold. Es steht in der Periodentafel der Elemente für Beständigkeit und Nachhaltigkeit: schmilzt erst bei 1 064 Grad; ein Kubikmeter wiegt über 19 Tonnen.

Auch im Finanzgeschäft ist Gold ein Stabilitätsanker. Seit Jahrtausenden bezahlen Menschen mit dem Metall. Da kann keine papierene Zivilisationswährung mithalten. Diese Eigenschaften prägen viele Lebensweisheiten. Niemand würde beispielsweise auf die Idee kommen, sich eine geldene Nase zu verdienen, von Betongeld zu sprechen oder geldrichtig zu liegen. Und kein James-Bond-Fan könnte sich im 65’er Filmklassiker Gert Fröbe als „Geldfinger“ vorstellen. Unter diesem Blickwinkel darf man bilanzieren: Gold schlägt Geld.

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