Bulle & Bär
Goldige Lobeshymne

Gold taugt nicht einmal mehr zur Krisenvorsorge. So dachten manche Analysten, als dessen Preis zu Beginn der US-Hypothekenkrise vor zwei Monaten auf Tauchstation ging. Das war wohl ein Irrtum.

FRANKFURT. Seit Mitte August ist die Unze (31 Gramm) Gold um mehr als 50 Dollar gestiegen. Gold hat sich es über die Marke von 700 Dollar gestiegen. Jetzt ist es nur ein Katzensprung bis zum 26-Jahreshoch bei 730 Dollar.

Die Experten der Bank ABNAmro Bankstimmen bereits Lobeshymnen auf das Metall als "sicheren Hafen in der Krise" an. Das Londoner Rohstoffteam um Nick Moore findet dafür noch andere wortgewaltige Umschreibungen wie "Fels in turbulenten Zeiten" oder "Licht in der Dunkelheit". Mit geringerem belletristischem Anspruch steht dahinter die steigende Nachfrage von Anlegern bei eher begrenztem Angebot hin.

Ganz ähnlich äußerten sich gestern Vertreter der Analysefirma GFMS, die einen in der Branche vielbeachteten Goldreport vorstellten. Firmenchef Paul Walker hält Notierungen über 800 Dollar für möglich, sollte sich die weltweite Krise an den Kreditmärkten zuspitzen. Seiner Meinung nach sind im kommenden Jahr sogar 850 Dollar denkbar. Dann wäre das Rekordhoch von 1980 erreicht.

Eine Neubewertung aller Investments im Zuge der transatlantischen Störausläufer könnte zu einem breit angelegten Umdenken führen - es hat bereits begonnen. Praktisch über Nacht werden alle Investments unter dem Filter "Kreditqualität" neu bewertet. Die Bestnote erhalten Anlagen nur noch, wenn sie transparent, einfach zu bewerten und liquide sind. Deshalb fallen jetzt viele der früher so beliebten strukturierten und verbrieften Produkte einfach durch das Raster. In diesem Sinne urteilt die kleine Analysefirma Fairesearch: Für Investoren hat Gold ein Kredit-Rating von "AAA+".

Ganz ähnlich äußern sich ABN-Experte Moore und seine Kollegen. Sie suggerieren sogar: Gold konkurriert mit den Notenbanken um die Rolle als letzten Retter in einer echten Finanzkrise. Die Analysten gehen noch weiter und sehen Gold als Gewinner dieses Wettbewerbs, sprechen vom "metal of last resort and no one?s liability". Übersetzt heißt das: Gold kann nicht wie Geld - theoretisch beliebig - vermehrt und durch einen Willensakt in die Wirtschaft gepumpt, damit in seinem Wert gemindert werden, es hat einen Wert an sich.

Einige professionelle Investoren scheinen sich jetzt auf einen großen Preissprung vorzubereiten. Für Adrian Douglas von der Researchfirma Market Force Analysis ähnelt die Lage am amerikanischen Markt für Gold-Kaufoptionen der am Ende des Jahres 2005 - damals sprang der Preis in den Folgemonaten um 150 Dollar. Außergewöhnlich viele Käufer von Kaufoptionen setzen darauf, dass der Preis bis Oktober mindestens 740 Dollar erreicht. Bei den im Dezember fälligen Scheinen spiegeln sich sogar Erwartungen eines dann vierstelligen Goldpreises wider.

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