Bulle & Bär
Goldman wieder obenauf

Börsianer sollten sich den 25. Oktober im Kalender eintragen. An diesem Tag vergibt die Investmentbank Goldman Sachs zusammen mit einem Medienkonzern in der Londoner British Library einen Preis für das beste Wirtschaftsbuch des Jahres. Die Galaveranstaltung ist wegen ihrer vielen Berührungspunkte mit der aktuellen Finanzkrise reizvoll.

FRANKFURT. Zur Hand verlesenen Jury zählt Goldman-Chef Lloyd Blankfein. Und die Liste der sechs Autoren, die für den Preis in Frage kommen, zieren zwei Namen, die ebenfalls eine besondere Verbindung zu den aktuellen Marktproblemen haben. Es sind der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan und der Finanzprofessor Nassim Nicholas Taleb.

Greenspan gilt manchem Skeptiker als Vater allen Übels. Er war es, der nach dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 eine Konjunkturschwäche auf jeden Fall vermeiden wollte. Der ehemalige Klarinettist erreichte mit einer laxen Geldpolitik sein Ziel, schuf sogar die Grundlage für einen globalen Wirtschaftsboom. Allerdings zahlte er Kritikern zufolge einen hohen Preis: Das Kapital floss zu einem großen Teil in Vermögenswerte, schuf neue Blasen an den Märkten etwa für Immobilien, Rohstoffe und Kreditinstrumente, initiierte den Boom der Derivate. Zu den größten Nutznießern zählten Investmentbanken wie Goldman - abzulesen an der Aktienkursentwicklung.

Der praktisch über Nacht ausgelöste Schock durch die Pleiten einiger Hedge-Fonds wie bei Bear Stearns und das anschließende Beben bei forderungsbesicherten Anleihen spielte Taleb in die Hände. Sein Steckenpferd sind genau diese unerwartet und plötzlich auftretenden Ereignisse mit dramatischen Konsequenzen für die Akteure an den Märkten. Der 47-jährige Mann aus New York wirft der Anlagebranche vor, dass sie diese hoch risikoreichen Ereignisse nicht ausreichend in ihren Kontrollsystemen berücksichtigt. Taleb ist selber ehemaliger Wertpapierhändler, außerdem einer der Pioniere bei Derivaten. Er weiß, wovon er spricht.

Am 25. Oktober wird sich demnach eine illustre Gruppe in London treffen. Ein anderer "Promi" hätte gut in die Runde gepasst: Warren Buffett. Der Super-Investor machte gerade Schlagzeilen als möglicher Interessent an der gebeutelten Investmentbank Bear Stearns. Buffetts Ideen gelten viel an der Wall Street. Er dürfte die Reihen der Optimisten stärken, die die Hypothekenkrise schon als überwunden ansehen.

Gute Stimmung verbreitete zuletzt auch Blankfein. Der Goldman-Kurs ist nach der kräftigen Korrektur in den vergangenen Monaten schon wieder auf Rekordjagd. Auch die Aktien anderer Investmentbanken signalisieren Entspannung. Doch für eine generelle Entwarnung ist es zu früh. Am heikelsten Segment der schlechten US-Hypothekenkredite stehen die schwierigsten Monate noch bevor. Erst im nächsten Jahr wird man klarer sehen. Bis dahin sind die Skeptiker auf der sicheren Seite: Finanzwerte sind kein Kauf.

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