Bulle & Bär
Großer Gebührenhunger

Beratung kostet – bei Investmentfonds macht sie inzwischen einen beträchtlichen Teil der Gebühren aus. Anleger wissen, dass der Ausgabeaufschlag voll an Berater in Banken und bei unabhängigen Finanzvermittlern fließt. Was aber nach Einschätzung von Verbraucherschützern den wenigsten Investoren bekannt ist: Vertriebe zwacken sich zudem gewichtige Anteile der jährlich anfallenden Verwaltungsgebühr ab.

FRANKFURT. Die Höhe der so genannten Bestandsprovision, die Fondsgesellschaften als Promille-Anteil des Fondsvermögens von der Managementgebühr an Vermittler überweisen, gehört zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Branche. Klar ist, dass nahezu alle Fondshäuser Teile ihrer Verwaltungsgebühr dem Vertrieb abliefern. In den meisten Fonds-Verkaufsprospekten weisen Anbieter immerhin darauf hin, dass es sich um „wesentliche Teile der Verwaltungsvergütung handeln kann“.

Das Investmentgesetz verlangt, dass ein Fondshaus dies im ausführlichen Verkaufsprospekt und im Jahresbericht erwähnen muss. Starke Vertriebe bekommen nach Aussage von Vertretern der Fondsbranche üblicherweise einen zweistelligen Anteil der Managementgebühr. Verbraucherschützer behaupten, dass sich die mächtigsten Verkäufer sogar die Hälfte der ursprünglich für das Fondsmanagement gedachten Vergütung sichern. Bei milliardenschweren Fonds kommen da rasch Provisionszahlungen in Millionenhöhe zusammen: Bei Aktienfonds zahlt der Anleger im Durchschnitt eine Verwaltungsgebühr von 0,8 bis 2,0 Prozent im Jahr, bei Rentenfonds sind es zwischen 0,5 und 1,2 Prozent – dieses Geld wird vom jährlichen Ertrag abgezogen.

Die Leistung guter Beratung zahlt sich sicherlich für Anleger aus und sollte daher auch etwas kosten dürfen. Im Fall der Fondsvertriebe können Anleger die Qualität der Beratung aber nicht am Preis ablesen, geschweige denn über den Preis auswählen. Gemessen am derzeitigen Gebühren-Versteckspiel scheinen allerdings weder Fondshäuser noch Vermittler zu wünschen, dass Transparenz über den Preis der Finanzberatung herrscht.

Besonders ärgerlich ist das System für ein gutes Zehntel der Fondsbesitzer, die ihre Fonds bei Brokern oder Direktbanken ohne Beratung kaufen. Die Anleger sparen dort zwar am Ausgabeaufschlag. Doch subventionieren sie via Managementgebühr indirekt Vertriebe, die sie gar nicht in Anspruch nehmen.

Bedauerlich für Anleger ist, dass der Gebührenhunger der Vertriebe die Fondskosten in den vergangenen Jahren teils deutlich erhöht hat. Gerade in Jahren niedriger Erträge schneiden Fondsmanager um so eher schlechter ab als ihre Vergleichindizes – als klassisches Beispiel gelten hier die häufig schwachen Rentenfonds. Anleger dürften sich zunehmend fragen, wofür sie die im Vergleich zu Indexfonds oder -zertifikaten höheren Gebühren eigentlich zahlen.

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