Bulle & Bär
Günstiger Inflationsschutz

Die Stimmung an den Märkten hat mit Blick auf die Inflation komplett gedreht. Schon werden Stimmen laut, die eine Deflation befürchten. Anleger, die daran nicht glauben, haben jetzt die Chance, sich günstig Inflationsschutz über Anleihen zu sichern.

FRANKFURT. Die staatlichen Rettungspakete für die weltweit strauchelnden Banken, die Turbulenzen an den Aktienmärkten und die zunehmenden Warnungen und Vorboten einer schweren Rezession haben ein Thema verdrängt, das noch im Sommer der Schrecken vieler Anleger war: Die Inflation.

Ein Grund dafür ist, dass die rückläufige Wirtschaftsentwicklung stark die Rohstoffpreise gedrückt hat. Allein der Preis für ein Fass Rohöl hat sich in den vergangenen Monaten mehr als halbiert. Trotzdem sind die Teuerungsraten noch immer beachtlich, auch wenn sie seit dem Sommer gesunken sind. Im Euro-Raum stiegen die Verbraucherpreise zuletzt mit einer Jahresrate von 3,2 und in den USA von 4,9 Prozent.

Die Stimmung an den Märkten hat mit Blick auf die Inflation aber komplett gedreht, und es werden Stimmen laut, die eine Deflation – also ständig sinkende Verbraucherpreise – befürchten. Schreckensvorbild dafür ist das Japan der frühen neunziger Jahre, in dem es nach dem Platzen der Blase – vor allem der am Immobilienmarkt – zu Deflation und dazu noch einer langen Phase des Nullwachstums kam.

Anleger, die daran nicht glauben, haben jetzt die Chance, sich günstig Inflationsschutz über Anleihen zu sichern. Möglich ist dies mit Bonds, deren Zins- und Rückzahlungen an die Inflation gekoppelt sind. Die Zinsscheine der inflationsindexierten Bonds (Linker) sind zwar niedriger als bei normalen Anleihen. Dafür sichern sich Anleger eine reale Rendite.

Die Deflationsdebatte und die Tatsache, dass Linker nicht so leicht zu handeln sind, haben deren Kurse zuletzt kräftig gedrückt. Entsprechend rentiert zum Beispiel die bis April 2016 laufende inflationsindexierte Bundesanleihe jetzt mit real 2,5 Prozent. Das ist zwar nicht sonderlich hoch, aber für eine vergleichbare Bundesanleihe ohne Schutz gibt es auch nur 3,5 Prozent. Von der Rendite dieser Anleihe müssen Anleger die tatsächlichen Inflationsraten abziehen, um ihre reale Rendite zu errechnen.

Aus der Renditedifferenz der beiden Anleihen, lässt sich ablesen, dass Investoren auf Sicht von rund neuneinhalb Jahren mit einer Inflation von nur einem Prozent rechnen. Die Renditeunterschiede zwischen herkömmlichen und inflationsindexierten Anleihen werden auch als Break-Even-Renditen bezeichnet. Im Sommer lagen diese – bezogen auf das deutsche Beispiel – bei 2,7 Prozent; der Inflationsschutz war also deutlich teurer.

Dass die Verbraucherpreise in den kommenden neun Jahren nur um jährlich ein Prozent steigen, ist sehr unwahrscheinlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Inflation von knapp zwei Prozent an; die tatsächlichen Raten lagen seit 2000 stets knapp darüber. Anleger, die sich vor Inflation schützen wollen, sollten zugreifen. Dabei gibt es aus dem Euro-Raum Linker aus Frankreich, Italien und Griechenland, die höhere Realrenditen als Bundesanleihen bieten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%