Bulle & Bär
Hedge-Fonds: Seichte Woge

Hedge-Fonds zählen zu den Lieblingsfeindbildern in der Öffentlichkeit. "Heuschrecken" oder "Abzocker" sind häufig genutzte Synonyme für die Branche geworden. Die oft wenig transparenten Fonds gelten als gewichtige Mitspieler in der Finanzkrise. Sollten sie jetzt zusammenbrechen, wäre das nach landläufiger Meinung die nächste große Bedrohung. Ihr tatsächlicher Einfluss auf das Wohl und Wehe der Finanzwelt ist allerdings weit geringer.

FRANKFURT. Die Fonds trügen beachtliche Mitschuld an der Börsentalfahrt der vergangenen Monate, so heißt es oft. Denn die milliardenschweren Fonds manipulierten mit ihren kreditfinanzierten Spekulationen die globalen Finanzmärkte. Bei genauerer Betrachtung haben andere Spieler jedoch deutlich mehr Gewicht.

Das verwaltete Vermögen der Fonds macht nicht einmal drei Prozent jenes Kapitals aus, das Investmentfonds, Stiftungen und Pensionskassen an den Welt-Finanzmärkten anlegen. Das insgesamt verwaltete Vermögen der Hedge-Fonds-Branche beläuft sich auf rund 1,7 Billionen US-Dollar. Üblicherweise leihen sich die Fondsmanager bei ihren Deals maximal das Vierfache an Fremdkapital hinzu, was ein einsatzfähiges Kapital von knapp sieben Billionen Dollar ergibt.

Hedge-Fonds investieren dabei in alles, was Rendite verspricht: von Aktien, Anleihen und Immobilien, bis hin zu Wald und Rohstoffen wie Schweinebäuchen oder Rinderhälften. Nur ein Teil des Fondsvermögens steckt in den Aktienmärkten.

Das Vermögen der Hedge-Fonds dürfte damit an der globalen Börsenkapitalisierung von 31 Billionen und dem noch deutlich größeren Anleihenmarkt wertmäßig einen Anteil von nur wenigen Prozent ausmachen.

Was aber passiert in einem "Worst Case Scenario" - sprich wenn wirklich eine Großzahl der agierenden Hedge-Fonds pleite gehen und die Aktienmärkte mit ihren zwangsliquidierten Unternehmenstitel überschwemmen?

Nahezu jeder Dritte der etwa 10 000 Hedge-Fonds könnte bald vor dem "Aus" stehen, glaubt etwa John Mack, Chef der US-Bank Morgan Stanley. Somit sind diese gezwungen ihre Positionen im großen Stil zu liquidieren.

Auch bei "gesunden" Fonds droht eine Welle von Notverkäufen wenn Kunden im Zuge des schlechten Börsenklimas ihr Geld zurück fordern. Nach Informationen des Datenanbieters Hedge Fund Research (HFR) haben die Fonds vom Jahresultimo bis dato im Schnitt 19,8 Prozent verloren und befinden sich in der bedrohlichsten Krise ihrer Geschichte.

Die Angst vor unüberschaubaren Auswirkungen einer Pleitewelle unter den Hedge-Fonds ist groß. Doch wenn es tatsächlich zu einem umfangreichen Hedge-Fonds-Sterben kommt, sind die Auswirkungen geringer als allgemein befürchtet. Denn das von diesen Geldjongleuren verwaltete Kapital wird im Meer der Welt-Finanzmärkte keinen Tsunami, sondern eher eine seichteWoge auslösen.

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