Bulle & Bär
Hedge-Fonds: Zarte Blüte im Verborgenen

Anleger haben es in diesen Tagen nicht leicht. Seit sich unter Finanzdienstleistern herumgesprochen hat, dass im Jahr fünf des Bullenmarktes das Schlagwort der "Depotbeimischung" seinen Reiz verloren hat, werden größere Geschütze aufgefahren.

DÜSSELDORF. Neue oder zumindest neu verpackte Investmentideen werden daher gleich mit dem Etikett der "eigenen Anlageklasse" versehen, die sich, wie Rückrechnungen ergeben hätten, gänzlich unabhängig von den Aktienmärkten entwickeln.

So weit, so schlecht, denn wer sein Portfolio tatsächlich so gut diversifiziert, wie es Rückrechnungen suggerieren, hat inzwischen ein Potpourri von mindestens einem Dutzend vermeintlich neuer Anlageklassen im Depot.

Eine gänzlich eigene Anlageklasse und marktunabhängige Renditen - mit diesen Versprechen gingen 2004 auch die Hedge-Fonds für Privatanleger in Deutschland an den Start. Zu Unrecht sind sie nach anfänglich harscher Kritik von den Radarschirmen vieler Anleger verschwunden: Zu teuer, zu undurchsichtig, zu schlecht lautete einst das Urteil der Experten.

Denn nach einem missratenen Start hat sich die Bilanz der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Hedge-Fonds zuletzt deutlich gebessert. So erzielten die Dach-Hedge-Fonds der Deka, DWS, Union Investment, Dit und Frankfurt Trust in den letzten zwölf Monaten nach Gebühren Renditen zwischen sechs und acht Prozent. Noch besser schnitten Hedge-Fonds-Zertifikate ab.

Eines der ersten Hedge-Fonds-Zertifikate auf dem deutschen Markt überhaupt, das Xavex- Hedge-Select-Zertifikat der Deutschen Bank, trumpfte mit einem Plus von 14 Prozent binnen zwölf Monaten auf. Auch andere, ältere Zertifikate wie das HVB Value Vision, Commerzbank Comas Unlimited oder das Société Générale Hedge-Indexzertifikat kletterten zwischen neun und elf Prozent.

Zwar tummeln sich im Reich der Hedge-Fonds für Privatanleger nach wie vor Flops, die selbst im Umfeld freundlicher Märkte nicht einmal ihre meist üppigen Gebühren verdienen konnten. Überdies sind Renditen von sechs bis zehn Prozent naturgemäß nicht unbedingt lukrativ, wenn der Deutsche Aktienindex Dax im gleichen Zeitraum 50 Prozent zulegt. Die Wahrnehmung von hohen einstelligen Renditen bei zugleich niedrigen Schwankungen, wie sie gute Produkte bieten, dürfte sich aber spätestens dann wieder ändern, wenn der Aktienmarkt einmal nicht nur für einige Tage, sondern für mehrere Monate den Rückwärtsgang einlegt.

Die Hedge-Fonds qualifizieren sich damit zwar keineswegs als Alternative zu Anleihen, deren risikolose Rendite von knapp fünf Prozent endlich wieder konkurrenzfähig gegenüber anderen Anlagen sind. Im Hinblick auf den für alternative Investments vorgesehen Depotanteil sind eingeführte Hedge-Fonds-Produkte ohne Laufzeitbegrenzung und soliden Erträgen aber keine schlechte Wahl - zumindest eine bessere als der Griff zu Wundertüten mit blumigen Rückrechnungen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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