Bulle und Bär
Heimat ade: Die großen Gewinne winken woanders

HB FRANKFURT. Heimat ade. Die großen Gewinne winken woanders, am Rande der Welt. Im Jahresverlauf sind die Aktienkurse in Peru um 70 Prozent nach oben gesprungen, in Nigeria reichte es immerhin noch für ein Plus von fast 50 Prozent. Die Emerging Markets im pränatalen Stadium sind Hip. Es gibt Investoren, denen ringen Länder wie China oder Brasilien nur ein müdes Lächeln ab. Sie suchen Grenzerfahrungen auf den letzten weißen Flecken des Finanzglobus, wollen dort Pioniergewinne einfahren.

Das klappte in den vergangenen Jahren hervorragend. Die Baby-Schwellenländer schlugen die klassischen Emerging Markets um Längen – die Börsen der Industrieländer liefen ohnehin als letzte durchs Ziel. Weltenbummler wie Jim Rogers liegen daher voll im Trend. Obwohl der bekannte Investor, der mit George Soros den legendären Hedge-Fonds Quantum Fund gründete, von der letzten seiner beiden Reisen schon vor sechs Jahren zurückkehrte. Aber der Vermarktungswert der Trips durch über 100 Länder ist nach wie vor enorm.

Noch heute zeigt der kleine Amerikaner vor finanzaffinem Publikum gerne sein Video: Da braust er mit der damaligen Verlobten in einem umgebauten Mercedes SLK durch Wüsten, schlendert über exotische orientalische Basare, spricht in Kriegsgebieten mit bewaffneten Stammeskriegern. Der New Yorker bietet Entertainment pur. Und das ist spannender als knochentrockenes Finanz-Chinesisch.

Globetrotter wie Rogers gewinnen auf ihren Entdeckungstouren hautnahe und bodenständige Eindrücke von den Wachstumskräften in den aufstrebenden Ländern. Sie inspirieren damit Anlageexperten, sofern sie nicht selbst Gelder managen. In Zeiten der Globalisierung wird die Welt eben flach, wie der Bestseller-Autor Thomas Friedman formuliert: Technologieschübe wie das Internet lassen Grenzen fallen, bisher abgeschottete Länder nehmen am Welthandel teil, plötzlich florieren Wirtschaft und Börsen.

Zu den frühen Verfechtern der Geldanlage in Emerging Markets zählt auch Mark Mobius. Seit Jahrzehnten lenkt der Globetrotter aus Hongkong die Schwellenbörsensparte beim Fondsanbieter Franklin Templeton. Ständig sucht Mobius für seine Fonds neue Anlageideen, jettet dafür in die entlegendsten Winkel der Erde.

Der erfahrene Manager weiß: Der Run auf die letzten weißen Flecken in der Investmentwelt hat seine Tücken. Sollte sich die Weltbörsenlage eintrüben, wären diese Märkte am härtesten getroffen. Mobius wittert zwar keine akute Gefahr, aber er hat trotzdem ein ungemütliches Alternativszenario im Hinterkopf. Und damit geht er auf seine Weise um. Er sagt: „Die gute Nachricht ist, dass Bärenmärkte immer kürzer sind und moderater ausfallen als die vorherigen Bullenmärkte.“ Die Party kann ja durchaus noch Jahre weiter gehen. Und wer will diese Chance verpassen? Oft schmerzen verpasste Gewinne stärker als real angefallene Verluste.

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