Bulle & Bär
Hip-Hop für Anleger

Steigende Kurse locken, fallende schrecken ab. Abschreckend wirken oft genug aber auch die Anbieter von Anlageprodukten. Der Grund: Sie sind Kommunikations-Versager. Freundlicher gesprochen: Sie finden nicht die richtigen und nicht die passenden Worte, scheinen sich hinter den Wällen ihrer Fachsprache verschanzen zu wollen. Eine Hemmschwelle allererster Ordnung sind Abkürzungen und Anglizismen. Bodenständige Kunden verstehen bei den Verbal-Akrobaten nur Bahnhof, pardon, Train Station.

FRANKFURT. Wer eine vorsichtige Strategie verfolgt und trotzdem überdurchschnittliche Rendite anstrebt, formuliert heute anders. Kleine Kostprobe gefällig? Wenn die Markets seitwärts traden und nur noch Beta produzieren, muss der Manager Alpha generieren. Der richtige Response auf den Shortfall Risk ist ein Absolute-Return-Approach mit Money Back Guaranty und tactical Overlay. Eine Customized Solution mit Capital Protection implementiert bei adäquater Asset Allocation um den Core als Satellites Multi-Manager-Ansätze und Alternatives mit Leverage. Portable Alpha ist das Icing on the Cake.

So richtig sexy wird der Anlagenmix erst, wenn die Neuronen der Egg Heads in den Divisions for Product Engineering bei den Suppliern heiß laufen. Dann wird die Welt mit mathematischer Präzision in drei Buchstaben gekürzelt und gepackt. Das Repackaging ist ohnehin der letzte Schrei, besser gesagt, Scream.

Die Professionals for Retirement Money stehen auf ALM und LDI, reiten die perfekte Welle mit ABS und MBS. Go with CDO, move to CLO. CPPI als chill out, SRI den Stress abbaut. MfG, HVB. Was klingt wie die ungelenken Zeilen eines schwach begabten Hip-Hoppers mit abgebrochener Banklehre, bringt die „Instis“ (institutionelle Investoren) so richtig auf Touren. Auch Normalanleger, von der Industrie als Private Clients rubriziert, haben rappende Produktanbieter mit ihren voll fetten Sprüchen an der Backe. Immer häufiger bekommen sie im Kombi-Pack komplexe Inhalte obendrauf. Man wartet eigentlich nur noch auf Schachtelprodukte wie das Dachfonds-Zertifikat „4 EX-treme Climate Quant EM“.

Das ginge so: Ein Indexanbieter lanciert eine Messlatte für kleine Emerging Markets wie Trinidad Tobago. Ein Fondshaus bietet dazu mehrere passende, regional investierende und computergesteuerte Produkte, wobei ein Berater die darauf aufbauenden Portfolien regelmäßig anpasst. Der Dachfonds eines anderen Hauses investiert in diese Produkte. Eine Bank begibt ein Zertifikat mit fünfjähriger Laufzeit auf den Dachfonds. Der Endkunde erhält jedes Jahr einen Zins, wenn der Dachfonds besser rentiert als der Index. Ausgezahlt wird die Hälfte des Renditevorsprungs, falls diese die durchschnittlich gemessene Temperatur auf der Zugspitze übertrifft. Die Hoffnung lebt: Es geht auch einfacher.

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