Bulle & Bär: Ho Chi Minh für Anleger

Bulle & Bär
Ho Chi Minh für Anleger

Manchmal sagen Namen mehr als hundert Prospektseiten. „Kasachstan Top Select Zertifikat“ heißt die neueste Kreation der Deutschen Bank. „Ostbasket Next Generation“ das neueste Produkt der Raiffeisen Centrobank, und seit Januar am Markt ist das Midwig-Zertifikat von ABN Amro für polnische Mittelstandsaktien.

HB DÜSSELDORF. In immer höherem Tempo verbriefen derzeit die Anbieter von Zertifikaten den Zugang zu exotischen Anlageregionen. Damit reagieren sie auf die fulminante Börsenentwicklung vieler Schwellenländer. So führt derzeit der vietnamesische Ho-Chi-Minh-Index mit einem Kursplus von 41 Prozent die Liste der stärksten Aktienindizes seit Jahresbeginn an. Die weiteren Plätze der bizarren Rangliste: Serbien, Nigeria, China, Pakistan vor der Ukraine. Sowohl für Zocker als auch für langfristige Investoren ist der Hang zur Exotik unter Zertifikateemittenten eine feine Sache. Denn es ist immer noch besser, überhaupt die Möglichkeit zu einem bequemen Einstieg in einen Aktienmarkt zu haben – sei er auch noch so illiquide, intransparent und klein – als mangels Produkten an die Seitenlinie gedrängt zu werden.

Für das Gros der Anleger wird die Luft jedoch gefährlich dünn. Sie sollten sich daher die Frage stellen, ob sie als Investoren oder als Zocker einsteigen. Als Investor können sie ihre Einsätze klein halten und dem Investment viel Zeit geben. Als Zocker hingegen ist die konsequente Verlustbegrenzung oberstes Gebot. Was wie selbstverständlich klingt, praktizieren Anleger in der Praxis oft nicht: Aus Zockern werden langfristige Investoren, wenn die Kurse ins Bodenlose rauschen – schließlich könnte das clever angelegte Engagement doch noch eines Tages Früchte tragen. Aus Investoren wiederum werden schnell Zocker, sobald die Gewinne 100 Prozent und mehr binnen weniger Wochen erreichen. Gewinne werden mitgenommen – oder umgeschichtet in eine noch bessere, unter Umständen riskantere Anlage.

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Dieser gefährliche Lerneffekt, nach der ein umso exotischeres Schwellenländerengagement einen umso höheren Gewinn liefert, ist nur verständlich. Wer auch in den Krisenjahren zwischen 2000 und 2002 an Schwellenländerinvestments fest hielt, wurde reich belohnt. Anschließend lieferte ein konzentriertes Investment in die so genannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China noch höhere Renditen. Noch mehr fuhr ein, wer seit 2005 die China-Karte spielte.

Keine Frage: Papiere aus Schwellenländern gehören als Beimischung in jedes diversifizierte Depot. Die Titelauswahl einem Fondsmanager zu überlassen, ist gerade in Schwellenländern keine schlechte Idee: Gerade dort haben gute Manager die Möglichkeit, einen Vergleichsindex zu schlagen. Wer seine Entscheidungen hingegen selbst in die Hand nimmt, muss eine klare Entscheidung treffen: Zocken oder investieren.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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