Bulle & Bär
Hochzinsanleihen: Spiel mit dem Risiko

Der Boom bei Hochzinsanleihen ist selbst Fondsmanagern unheimlich. Bereits vor einem Jahr erwarteten sie, dass die Kurse der Junk-Bonds – also der hochverzinsten Anleihen von Unternehmen mit mangelnder Kreditwürdigkeit – nicht mehr deutlich steigen und die Renditen im Gegenzug kaum noch sinken würden. Doch die Rally ging trotz kurzer Rückschläge im Frühjahr weiter.

FRANKFURT. Das Ergebnis: Auf Euro lautende Junk-Bonds bieten gemessen am Index von Merrill Lynch im Schnitt nur noch gut zwei Prozentpunkte mehr Rendite als sichere Staatsbonds. So niedrig waren die Risikoprämien noch nie.

In den ersten vier Wochen dieses Jahres brachten Junk-Bonds Gesamterträge aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von fast einem Prozent. Wenn es so weitergeht, würden die Junk-Bonds auf das Jahr hochgerechnet ein Plus von zwölf Prozent bringen. Doch allmählich dürfte die Rally tatsächlich auslaufen. Die niedrigen Risikoprämien dürften nicht mehr allzu viele neue Käufer anlocken, von daher ist das Potenzial für weitere Kursgewinne begrenzt. Bei negativen Unternehmens- oder Konjunkturnachrichten sind zudem Kursverluste wahrscheinlich.

Gefahren drohen den Junk-Bonds auch, wenn die Ausfallraten trotz Wirtschaftswachstum steigen. Die Ratingagenturen prognostizieren schon lange höhere Ausfälle, lagen damit aber bislang falsch. Zuletzt haben jedoch viele besonders schwach bewertete Unternehmen Hochzinspapiere ausgegeben und damit dürfte die Ausfallgefahr tatsächlich gestiegen sein.

Das heißt aber noch lange nicht, dass sich mit Hochzinsanleihen in diesem Jahr kein Geld verdienen lässt. Die hohen Kupons von im Schnitt 7,3 Prozent kompensieren leichte Kursverluste locker. Unterm Strich werden sich deshalb nach Meinung der meisten Strategen in diesem Jahr mit Junk-Bonds noch Erträge zwischen fünf und sieben Prozent erwirtschaften lassen.

Für diese Einschätzung spricht viel. Das Wirtschaftswachstum in Europa dürfte zwar in diesem Jahr langsamer zulegen als 2006, aber eine Rezession steht nicht zu befürchten. Auch in den USA haben sich die Ängste vor einer harten Landung der Wirtschaft in den vergangenen Wochen zusehends verflüchtigt. Die Hausse am Immobilienmarkt ist zwar vorbei, doch dies hat sich bislang weder negativ auf den Arbeitsmarkt noch auf die Stimmung der Verbraucher ausgewirkt.

Diese zumindest verhalten positiven Aussichten stützen die Hochzinsanleihen, bei denen es letztlich nur darauf ankommt, dass sie zurückgezahlt werden. Es reicht also, wenn die Unternehmen ihre Gewinne halten. Strategen raten vor allem zu Junk-Bonds mit noch halbwegs guten Ratings im Bereich Doppel-B. Für Privatanleger empfiehlt sich die Anlage in Fonds, bei denen mögliche einzelne Ausfälle nicht so stark ins Kontor schlagen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%