Bulle & Bär
Hohe Renditen mit Hybrids

Anleger, die nach Unternehmensanleihen mit einer ordentlichen Rendite suchen, werden nicht nur bei hochriskanten Junk-Bonds fündig. Renditen von rund 6,5 Prozent gibt es auch von solventen Schuldnern wie zum Beispiel Bayer oder Henkel. Das Renditeplus von immerhin rund 2,5 Prozentpunkten im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen gibt es allerdings nur bei so genannten Hybrid-Anleihen. Das sind Bonds, die besondere Risiken bergen. Aktuell plant Linde eine solche Emission.

FRANKFURT. Hybrids sind bei Firmen abseits der Finanzbranche erst im vergangenen Jahr richtig in Mode gekommen. Das liegt daran, dass die Ratingagenturen die Papiere erst seit relativ kurzer Zeit auch für Industrieunternehmen zum Teil als Eigenkapital werten. Das Besondere an den Hybrids ist zum einen die extrem lange - oft sogar unendliche - Laufzeit. Allerdings können die Unternehmen die Anleihe oft nach zehn Jahren vorzeitig tilgen; machen sie das nicht, ändert sich die Verzinsung oftmals von fest auf variabel und steigt dabei deutlich.

Zu der eigenkapitalähnlichen Charakteristik der Papiere gehört zudem, dass sie nachrangig sind, die Besitzer der Anleihen also im Konkursfall erst nach den anderen Gläubigern bedient werden. Außerdem können die Zinszahlungen ausfallen, wenn das Unternehmen zum Beispiel keine Dividende zahlt. Zu guter Letzt können Schuldner die hybriden Anleihen meist nur durch eine Kapitalerhöhung oder durch die Ausgabe neuer Hybrids ablösen. Die Ratingagenturen bewerten die Spezial-Bonds zwei bis drei Stufen schlechter als die Schuldner selbst.

Die wachsende Risikoscheu der Investoren - abzulesen an den Verlusten der Aktienmärkte seit dem Frühjahr - sowie die steigenden Renditen von Staatsanleihen haben auch die Hybrids unter Druck gebracht. Seit Jahresanfang stiegen die Renditen kräftig. Ende Juni gab es für Nachranganleihen von Henkel oder Bayer sogar Renditen über sieben Prozent. Seitdem hat sich die Stimmung zwar wieder gebessert, aber die Renditen und die Risikoprämien sind immer noch deutlich höher als am Jahresanfang.

Für Anleger, die etwas mehr Rendite wollen, risikofreudiger sind und auch mögliche zwischenzeitliche Kursverluste aussitzen können, sind die Hybrids durchaus eine Überlegung wert. Das größte Risiko liegt darin, dass die Emittenten die Anleihen nicht vorzeitig tilgen. Denn wenn die Kapitalmarktzinsen und die Risikoaufschläge in den nächsten Jahren kräftig anziehen, könnte es für die Unternehmen günstiger sein, die ausstehenden Anleihen trotz der sich erhöhenden Kupons weiterlaufen zu lassen. Problematisch für Privatanleger ist zudem, dass Hybrids als Finanzinnovation gelten. Deshalb müssen nicht nur die hohen Kupons, sondern auch die Kursgewinne versteuert werden, selbst wenn Anleger die Papiere länger als ein Jahr halten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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