Bulle & Bär
Hoher Zins ohne Haken

Es gibt Angebote, bei denen der aufgeklärte Anleger erst mal skeptisch wird. Die „Topzins-Anlage“ der Commerzbank ist so ein Produkt. In einer groß angelegten Werbeaktion verspricht die nach Bilanzsumme zweitgrößte deutsche Bank einen Festzins von vier Prozent – und das bei einer Laufzeit von nur einem Jahr. Das ist vergleichsweise viel; für eine noch fünf Jahre laufende Anleihe der Commerzbank gibt es derzeit weniger als vier Prozent Rendite.

FRANKFURT. Doch das Angebot hat keinen Haken, hinter ihm steckt lediglich eine Strategie. Und die heißt: Neue Privatkunden gewinnen. Das ist auch nötig, wie die am Freitag vorgelegten Quartalszahlen der Bank zeigten.

Die vier Prozent Festzins richtet sich deshalb vor allem an Neukunden. Anleger, die bereits ein Konto oder Depot bei der Co-Bank haben, können die vier Prozent Festzins nur dann einstreichen, wenn das Geld vorher nicht schon bei der Commerzbank oder ihren Töchtern lag, sondern bei anderen Banken oder unter dem Kopfkissen.

Das Depot kostet keine Gebühren. Die Mindestanlage liegt bei 1 000 Euro, maximal können Anleger 20 000 Euro anlegen – höhere Summen je Kunde würden für die Bank wohl zu teuer. Die Anlage erinnert an Festgeldkonten für ein Jahr, die ebenfalls mit hohen Zinsen locken. Allerdings schlägt die Commerzbank mit ihren vier Prozent alle aktuellen Festgeldangebote – bis auf die lettische Parex-Bank, die für ein Jahr Festgeld 4,60 Prozent bietet. Bei der „Top-Zins-Anlage“ der Commerzbank handelt es sich aber nicht um Festgeld, das bis zu einer Anlagesumme von 20 000 Euro je Anleger vom Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken geschützt wird. Das Commerzbank-Produkt ist eine Inhaberschuldverschreibung – also eine Anleihe – und fällt damit nicht unter den Sicherungsfonds.

Ein Haken ist das nicht. Bei der Inhaberschuldverschreibung kommt es darauf an, dass der Schuldner nicht pleite geht. Und dass die Commerzbank auf Sicht von einem Jahr Konkurs anmeldet, ist nicht zu befürchten. Die Ratingagenturen bescheinigen dem Dax-Konzern mit Bonitäts-Noten im Bereich Einfach-A – eine entsprechend gute Kreditwürdigkeit. Die Rating-Ausblicke sind stabil.

Wenn die Commerzbank übernommen würde – ein Thema das immer mal wieder hochkommt – müsste der neue Eigentümer die Schuldverschreibungen bedienen. Und Kursverluste wie bei herkömmlichen Anleihen brauchen Anleger bei der neuen „Top-Zinsanlage“ nicht zu fürchten: Wer vor Ablauf der Ein-Jahres-Frist an sein Geld will, bekommt es zu 100 Prozent zurück, und dabei werden – anders als bei vielen Festgeldangeboten – die anteiligen Zinsen gezahlt.

Mit der ersten Tranche des Produkts gewann die Commerzbank 20 000 neue Kunden. Zwei weitere Tranchen können noch bis 14. November respektive 12. Dezember gezeichnet werden.


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Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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