Bulle & Bär
Homm mutiert vom Jäger zum Gejagten

Ob beim Finanzdienstleister MLP, dem Autovermieter Sixt oder dem Fußball-Verein Borussia Dortmund – wenn an der Börse die Kurse purzeln oder plötzlich kräftig anziehen, macht unter Aktienhändlern meist ein Name die Runde: Florian Homm, der Großneffe des Versandhausgründers Josef Neckermann.

HAMBURG. Dabei geht Homm immer nach dem selben Muster vor: Mal prügelt der umstrittene Hedge-Fonds-Manager mit eigenwilligen Firmenanalysen überraschend die Kurse von Großkonzernen runter, mal betätigt er sich heimlich als Firmenaufkäufer und lässt die Notierung in die Höhe schnellen, um die Beteiligung mit sattem Aufschlag wieder zu verscherbeln.

Nun wartet der Finanzjongleur in eigener Sache mit einem Überraschungscoup auf: Der auf der Baleareninsel Mallorca lebende Manager geht mit seiner Absolute Capital Management Holding an den Londoner Alternative Investment Market (AIM) und erlangt am ersten Börsentag bereits einen Achtungserfolg. Der Kurs kletterte am Freitag vergangener Woche um 50 Prozent auf 210 Pence. In Deutschland will Homm den Erfolg demnächst wiederholen, heißt es in Firmenkreisen.

Damit könnte der Hedge-Fonds-Manager aber selber vom Jäger zum Gejagten werden. Zwar sind an der Börse bislang nur 30 Prozent breit gestreut, und die Marktkapitalisierung bewegt sich derzeit bei knapp 150 Mill. Euro. Sollte aber die Londoner Firma mittelfristig durch geschickte Zukäufe und neue Fonds weiter an Wert gewinnen, könnte Homm möglicherweise Opfer seines eigenen Geschäftsmodells werden.

Denn die Börsennotiz zwingt Homm & Co. zu mehr Transparenz: Gewiefte Spekulanten erhalten erstmals Einblick in das bislang eher undurchsichtige Firmenkonglomerat. Sie können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkennen, um sie für einen Angriff auszunutzen.

Damit könnte Homm ein ähnliches Schicksal wie beispielsweise einem seiner eigenen Opfer drohen: der Frankfurter Beteiligungsfirma WCM. Damals machte ein Analyst der Fondsgesellschaft in einer Aktienanalyse auf vermeintliche Fehlentwicklungen bei dem ehemals im MDax notierten Konzern aufmerksam. Die Folgen für die WCM waren verheerend: Der Aktienkurs geriet ins Trudeln, die Reputation der Firma ist seitdem angeschlagen.

Doch Homm droht ein noch größeres Problem: Der umtriebige Manager kann es sich jetzt nicht noch einmal leisten, dass ihn ein deutsches Amtsgericht wegen Kursmanipulation zu einer Geldstrafe verurteilt oder ihm die Staatsanwaltschaft ständig im Nacken sitzt. Denn sonst gefährdet der Manager nicht nur seinen eigenen Ruf als Chef-Investment-Manager (CIO), sondern würde damit auch schnell das Vertrauen seiner Anleger verspielen – der Kurs würde einbrechen. Am Ende könnte der Börsenneuling zum Übernahmekandidaten werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%