Bulle & Bär: Hybrid-Anleihen
Ungewisse Tilgung

An der Bonität des Konsumgüterherstellers Henkel gibt es nichts zu meckern. Trotz allem ist der Kurs der hybriden Anleihe der Düsseldorfer in diesem Jahr bereits um mehr als sieben Prozent abgestürzt. Für Bond-Investoren ein herber Verlust.

FRANKFURT. Der Dax-Konzern ist relativ gering verschuldet, und 2007 verdiente er netto 941 Mill. Euro - acht Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2008 hat der neue Vorstandschef Kasper Rorsted einen positiven Ausblick gegeben. Den gestiegenen Rohstoffkosten und der schwächelnden Nachfrage aus den USA will der Hersteller von Pattex, Pritt und Persil mit Einsparungen begegnen.

Auch die Übernahme des Klebstoffgeschäfts vom Chemiekonzern National Starch für 3,7 Mrd. Euro dürfte die Bonität von Henkel kaum belasten. Die Akquisition soll zum Großteil durch den Anteilsverkauf am US-Reinigungsexperten Ecolab finanziert werden. Die Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Henkel schon lange mit guten Noten im Bereich Einfach-A. Die Konzernspitze beteuert, dass sie diese Ratings für Henkel behalten will.

Trotz allem ist der Kurs der hybriden Anleihe der Düsseldorfer in diesem Jahr bereits um mehr als sieben Prozent abgestürzt. Das mag Aktionären, die seit Januar mit der Henkel-Aktie ein Minus von knapp 40 Prozent verkraften mussten, wie ein Pappenstiel erscheinen. Für Bond-Investoren ist der Verlust aber herbe. Zum Vergleich: Der Kurs der herkömmlichen Henkel-Anleihe hat in diesem Jahr unter dem Strich nur 0,25 Prozent nachgegeben.

Daran zeigt sich gerade in der aktuellen Finanzmarktkrise, dass Hybrid-Anleihen, die Unternehmen zum Teil auf ihr Eigenkapital anrechnen können, riskant sind.

Die Besitzer werden bei einer Pleite des Emittenten nachrangig bedient, also erst nach allen anderen Gläubigern. Zudem gibt es die Zinsen nur, wenn die Unternehmen Dividenden zahlen und bestimmte Finanzkennziffern erfüllen. Vor allem aber haben die Spezial-Bonds eine sehr lange, oft unendliche Laufzeit. Nach meist zehn Jahren können sie theoretisch vorzeitig getilgt und durch Aktien oder neue Hybrids abgelöst werden. Darauf verlassen sich viele Investoren.

Die vorzeitige Tilgung ist aber der Knackpunkt, auch beim hybriden Bond des durchaus soliden Henkel-Konzerns (ISIN XS0234434222). Formal wird er erst im Jahr 2104 fällig. Er rentiert inzwischen mit 8,3 Prozent. Das ist attraktiv, wenn er zum frühesten Termin am 25. November 2015 zurückgezahlt wird.

Wenn Henkel den Bond nicht vorzeitig tilgt, steigt der Zinsschein von derzeit 5,375 Prozent und bietet dann einen Aufschlag von 2,85 Prozentpunkten auf den dreimonatigen Euribor. Dies entspräche aktuell einem Zins von 7,8 Prozent. Somit wäre es für Henkel günstiger, die Anleihe laufen zu lassen, als ein neues hybrides Papier zu begeben. Wie das in acht Jahren aussieht, ist nicht absehbar. Es könnte Henkel - und anderen Unternehmen - zwar einiges wert sein, die Bonds auf jeden Fall vorzeitig zu tilgen, um nicht den Ruf am Kapitalmarkt aufs Spiel zu setzen. Verlassen können sich Anleger darauf nicht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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