Bulle & Bär
Im Kriechgang

Auf dem schmalen Grat zwischen wissenschaftlicher Forschung und kommerziellem Erfolg wurde die deutsche Biotechnologiebranche in den vergangenen Jahren nicht gerade mit Risikokapital verwöhnt. Analysten glauben aber, dass die Zukunftsbranche eine detailliertere Beobachtung verdient und nicht alle Unternehmen gemeinsam in einen Topf geworfen werden sollten.

Die Enttäuschung ist groß - und zwar auf allen Seiten. Frustration zeigen sich jene Anleger, die Aktien der deutschen Biotechnologiebranche auf Sicht als interessante Investments gesehen hatten und möglicherweise auf niedrigerem Kursniveau auch noch immer sehen. Ebenso enttäuscht sind die Vertreter dieses seit Jahren in der breiten Öffentlichkeit um mehr Anerkennung kämpfenden jungen Wirtschaftszweiges.

Auf dem schmalen Grat zwischen wissenschaftlicher Forschung und kommerziellem Erfolg wurde die deutsche Biotechnologiebranche in den vergangenen Jahren nicht gerade mit Risikokapital verwöhnt. Dass die US-Arzneimittelbehörde FDA jetzt Bedenken gegen eine rasche Zulassung des von GPC Biotech seit zehn Jahren erforschten Prostatamedikaments Satraplatin äußert, befördert nicht nur den GPC-Aktienkurs in den Keller, sondern nimmt die meisten Aktien dieser Branche in "Sippenhaft".

Analysten wie Christian Peter von Sal. Oppenheim glauben, dass die Zukunftsbranche eine detailliertere Beobachtung verdient und nicht alle Unternehmen gemeinsam in einen Topf geworfen werden sollten. Interessant könnten Aktien von Firmen werden, die - breit aufgestellt - mehrere Produktkandidaten im Angebot haben. Gerade diese Unternehmen stünden vor einem "Revival". Auffallend war, dass sich die Aktie des Biotechunternehmens Mologen dem Abwärtssog der Branche entzog. Deren Vorstandschef Burghardt Wittig - zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Molekularbiologie und BioInformatik an der Charite Berlin - sieht sein Unternehmen trotz der Probleme in der Branche auf gutem Wege.

Mologen ist in der Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln auf Basis von DNA-Strukturen tätig - und das immerhin seit 1998. Und so, wie jeder Wissenschaftler und jeder Unternehmenslenker daran glaubt, dass ihm irgendwann der große Durchbruch gelingt, ist auch Wittig optimistisch. Seine Zuversicht leitet er unter anderem aus der sehr breiten Forschungsausrichtung von Mologen ab.

Man setze in der Krebsbekämpfung auf Produktkandidaten gegen Dickdarm- und Nierenkrebs, die bei Mologen im Zentrum präklinischer und klinischer Entwicklungen stehen. Die zellbasierten Produktkandidaten erforscht Mologen derzeit in individualisierten Therapien an einigen Krebspatienten in China und Indien, wo erste Lizenzen vergeben wurden. Von dieser Seite erwartet Wittig künftig die größten Beiträge auf der Ergebnisseite. Die dort erzielten Forschungsresultate machten jedenfalls Hoffnung. Im Bereich der Impfstoffentwicklung sieht er einen DNA-Impfstoff gegen die Infektion mit Leishmanien - Parasiten, von denen etwa Hunde befallen werden - als weit fortgeschritten.

So ermutigend Forschungsresultate auch sein mögen - Biotechaktien wie Mologen müssen mit dem Risiko-Image leben. Daran ändern auch die zwischen 13- und über 20 Euro liegenden Kursziele ausländischer Analysten nichts.

rettberg@handelsblatt.com

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