Bulle & Bär
Im Schatten des US-Bankenskandals

Knapp zwei Jahre nach den Buchführungs-Skandalen bei Fannie Mae und Freddie Mac bessert sich der Ruf der beiden US-Hypothekenbanken nur ganz allmählich. Die zuständige Immobilien-Aufsichtsbehörde Ofheo (Office of Federal Housing Enterprise Oversight) hatte damals Teilen des Führungspersonals beider Banken vorgeworfen, über Jahre hinweg systematisch die Bilanzen manipuliert zu haben. Allein Fannie Mae gestand später fast elf Mrd. Dollar an Unregelmäßigkeiten ein.

HOUSTON. Seit Mai sind die Rechtsstreitigkeiten offiziell beigelegt; Fannie Mae entließ den Geschäftsführer und den Finanzchef und bekam eine Strafzahlung von 400 Mill. Dollar aufgebrummt. Das Unternehmen bemüht sich, die jüngste Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und der Aktienkurs sieht auf den ersten Blick günstig aus.

Trotzdem bleiben die Analysten skeptisch, Kaufempfehlungen sind weiter in der Unterzahl. Es dürfte noch einige Zeit dauern, bis sich die Aktie von Fannie Mae vollständig von den Nachbeben des Skandals erholt hat. Viele Analysten halten die Titel zurzeit für angemessen bewertet und fürchten, dass die wirtschaftliche Rentabilität noch mehrere Jahre im niedrigen zweistelligen Bereich bleiben könnte.

Zudem belastet das Hypothekeninstitut die nach wie vor eher negative Berichterstattung. Denn im US-Kongress ist eine Reform der Kontrollbehörden im Gang, und der Skandal bei Fannie Mae wird regelmäßig als schlechtes Beispiel angeführt. Bei Freddie Mac äußert sich die Wall Street dagegen wieder positiver. Die Gewinne stimmen die Experten vorsichtig optimistisch, und einige Banken erwarten in den nächsten zwölf Monaten sogar Kurssprünge von fast 50 Prozent. Als halbstaatliche Einrichtungen sind die Hypotheken der beiden Banken durch die US-Regierung garantiert, so dass Fannie Mae und Freddie Mac die Zinsen zu einem günstigeren Kurs vergeben können als die Konkurrenz. „Jeder denkt, dass Fannie und Freddie die Lizenz zum Gelddrucken haben“, sagt Alex Dumortier vom Online-Finanzberater Motley Fool.

Das macht die beiden allerdings nicht immun gegen die Turbulenzen auf dem US-Immobilienmarkt, der sich nach jahrelangem Höhenflug inzwischen wieder abkühlt. Experten befürchten, dass der Aufprall härter werden könnte als bislang angenommen, was die Qualität der Anleihen verschlechtern würde.

Selbst James Lockhart, der neue Chef der Aufsichtsbehörde Ofheo, erklärte vor kurzem, dass die Portfolios bei Fannie Mae und Freddie Mac inzwischen zu umfangreich seien und damit eine potenzielle Gefahr für den Gesamtmarkt darstellten. Insgesamt besitzt Fannie Mae Hypothekenbriefe im Wert von etwa 730 Mrd. Dollar. Freddie Mac hat zu seinem Portfolio allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 20 Mrd. Dollar hinzugefügt.

Fazit: Wer anlegen will, sollte dies mit größter Vorsicht tun – und Freddie Mac den Vorrang vor der großen Schwester Fannie geben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%