Bulle & Bär
Indexfonds: Der feine Unterschied

Die Kreditkrise hat jetzt einen der letzten überlebenden Wachstumsmärkte in der Investmentwelt erwischt: die börsengehandelten Indexfonds, kurz ETFs. Aber nur auf den ersten Blick, denn es ist nicht alles ETF, was auch so heißt.

FRANKFURT. Es geht konkret um spezielle Wertpapiere einer britischen Firma mit dem irre führenden Namen ETF Securities. Derren Produkte bilden die Wertentwicklungen von Rohstoffen nach. Diese Papiere sind im Fachjargon als ETCs bekannt und werden zum größten Teil von der Versicherung AIG garantiert.

Doch die AIG geriet ins Schlingern. Deshalb war auch der Handel in den Papieren in der vergangenen Woche schwierig. Die Londoner Börse setzte ihn sogar aus. An anderen Plätzen und auch an der Deutschen Börse ging das Geschäft weiter. Manchmal waren wegen der Unsicherheiten die von Banken und anderen verpflichteten Marktteilnehmern an der Börse gestellten Kauf- und Verkaufspreise nicht ganz aktuell und die Spannweite zwischen den beiden Werten etwas breiter. Aber immerhin blieb der Handel intakt.

Doch auch hier stellen sich die Anleger die Frage: Wie sicher ist mein Geld? Vorerst können die Investoren aufatmen - auch die deutschen, die schätzungsweise eine halbe Milliarde Euro investiert haben. Notenbank und US-Regierung sprangen der AIG bei. Deshalb lief das Geschäft am Montag an der Deutschen Börse wieder rund, wie Vertreter des Handelsplatzes sagen.

Reinrassige ETF-Anbieter arbeiten anders als Emittenten von ETCs oder Zertifikatehäuser. Börsengehandelte Indexfonds beziehen sich meist auf Aktien- oder Anleiheindizes, investieren tatsächlich in die Indextitel und sind rechtlich Investmentfonds. Auch wenn etwa die Bankenmutter des Fondsanbieters kippen würde: Der Fonds ginge nicht pleite. Ein börsengehandelter Rohstoff dagegen gerät ins Schlingern, wenn die Garantie gebende Instanz wankt. Er investiert nicht direkt in den Rohstoff, sondern lässt sich die Wertentwicklung von einer dritten Partei garantieren - hier von AIG.

Spätestens jetzt müssen Anleger die Rechtsform eines gewählten Produktes genau überprüfen. Heute sind die früher eher theoretischen Stichworte "Kontrahentenrisiko" bei ETCs oder "Emittentenrisiko" bei Zertifikaten zu überlebenswichtigen Themen mutiert. Wenn der Emittent beispielsweise eines Zertifikates und damit einer Anleihe seinen Laden schließen muss, steht auch der Besitzer des Papiers im Regen.

Bei einem ETF etwa auf den Dax oder den Euro Stoxx 50 kann das nicht passieren. Manche Anbieter arbeiten zwar mit speziellen Derivategeschäften, im Branchenjargon Swaps. Hier besteht das theoretische Ausfallrisiko, wenn der Swap-Partner pleite geht. Aber der ungesicherte Swapeinsatz ist auf ein Zehntel des Fondskapitals begrenzt. Per saldo bietet der Fonds beim Vergleich der Rechtsformen den besten Krisenschutz.

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