Bulle & Bär
Indexfonds: Kuscheln statt schießen

Angelina Jolie und Brad Pitt sind große Vorbilder für Geldverwalter. Hollywood-Stars verschaffen Kino-Zuschauern gute Gefühle, Fondsmanager versuchen das gleiche bei ihren Kunden – hoffentlich erfolgreich. Ihre Auftrittsweise haben über die Jahre beide geändert.

FRANKFURT. Früher pflügten Jolie und Pitt schießwütig durch Kohorten von Feinden. So mancher Manager jagte in Cowboy-Manier nicht minder kampfeslustig nach Renditen. Das ist jedenfalls das Bild des klassischen Verwalters.

Längst weht ein anderer Wind. „Brangelina“ posieren jetzt auf rührenden Bildern mit ihren Kindern. Das wilde Paar probt ein ruhiges Familienleben. In der Anlagebranche ist es ähnlich. Die alten Kämpfer bekommen Konkurrenz durch friedliche Mitstreiter. Der Verwalter klassischer Prägung versucht mit einer gezielten Auswahl von Wertpapieren seine Vergleichs-Messlatte, etwa einen Aktienindex, zu schlagen. Das Dumme ist nur: Meist schießt er sich ins Knie, liefert weniger Ertrag ab als der Index.

Manche Geldnavigatoren haben deshalb das Schießeisen abgegeben. Sie bauen ihre Fonds genau so zusammen wie der Index es vorgibt – Abweichungen unerwünscht. So ist wenigstens der Indexertrag gesichert. Werden diese Indexfonds an einer Börse gehandelt, firmieren sie unter dem Kürzel ETF. Mittlerweile gibt es sie für viele Messlatten, seien es Aktien oder Anleihen.

In Zeiten der Kreditkrise kämpfen die Fondsanbieter verzweifelt um Kunden. Sie haben im ersten Halbjahr 2008 nur eine Milliarde Euro für Aktienfonds eingesammelt. Hätte es die ETFs mit zweistelligem Milliardenabsatz nicht gegeben, wäre die Branche mit Pauken und Trompeten in die Miesen gerutscht. Anleger pochen auf den Gebührenvorteil. Ein klassischer Aktienfonds für europäische Aktien ist mit einer durchschnittlichen Verwaltungsgebühr von rund 1,5 Prozent zehn Mal teurer als ein ETF auf den Euro Stoxx 50, der nur 0,15 Prozent der Anlagesumme kassiert und auf typische Ausgabeaufschläge ganz verzichtet.

Niedrige Gebühren sind in Zeiten geringer Börsenerträge noch wichtiger geworden. Bei einem Bruttoertrag von 20 Prozent pro Jahr – während der Aktienhausse waren solche Sätze an der Tagesordnung – stören Kosten wie die erwähnten 1,5 Prozent wenig. Doch magere Perioden mit Vorgaben von fünf Prozent Ertrag oder weniger lassen Anleger nachdenklich werden.

Noch wissen viele Privatanleger nichts von den schlechten Leistungen vieler Cowboy-Verwalter. Sie wissen ebenso wenig über die Ertragsbelastungen durch Gebühren. Aber das dürfte sich ändern, nicht nur der schwierigen Börsenlage wegen. Vor dem Start der Abgeltungsteuer im nächsten Jahr können sich die Anleger steuerschonend auf ein Anlageprodukt festlegen. Spätestens dann werden niedrige Gebühren in den Blick rücken. Auch wenn es adrenalinsüchtigen Anlegern langweilig erscheint, gibt Hollywood die neue Richtung vor: den Trend zu friedlichen Kuschelprodukten.

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