Bulle & Bär
Indexfonds überholen „Porsche-Börsianer“

Unter dem Kürzel "ETF" gehen sie ins Rennen: Sogenannte Exchange Traded Funds, börsengehandelte Indexfonds. Während die überwiegende Zahl der Anlageverwalter mit einer "Porsche-Strategie" versuchen, besser als der Markt zu performen, ist ihr Ziel lediglich die Index-Weiterentwicklung. Die Strategie der Langweiler ist oft besser.

FRANKFURT. Der Porsche jagt mit 300 Sachen über die Autobahn. Ein Erlebnis für den Fahrer. Adrenalin pur. Dahinter ein Kombi, Marke familiengerecht. Er zuckelt auf der rechten Spur. Der Raser ist längst enteilt. Hier steht Fahrspaß gegen Langeweile.

Es ist wie im Finanzgeschäft. Hier will der Porsche fahrende Anlageverwalter für seine Kunden den höchsten Gewinn herausholen. Das ist der klassische Fondsmanager. Im Bild gesprochen: Er fährt einen heißen Reifen, ist auf Überholspur abonniert - und das kostet natürlich. Aber er bekommt Konkurrenz von der langsamen Fraktion. Die Wettbewerber nehmen in der Familienkutsche Platz, sind schon froh, wenn sie nur das Fahrziel erreichen.

Es geht um die sogenannten Exchange Traded Funds, die börsengehandelten Indexfonds. Sie wollen ausdrücklich nur eine Index-Wertentwicklung abliefern, seien es nun die von Dax, EuroStoxx50 oder Anleihe-Messlatten. Das Ziel: nur ankommen. Und das schaffen sie immer.

Bei den "Porscheanern" ist das anders. Während die Familienkutschen noch über den Asphalt kriechen, haben sich viele Heißblüter am Lenkrad an den Leitplanken aufgewickelt oder liegen mit Motorschaden im Graben - ausgeschieden. Im Anlagegeschäft ist es nicht anders. Nur die wenigsten klassischen Verwalter schaffen für ihre Kunden eine Mehrrendite gegenüber dem Index heran. Die meistern scheitern. Diese Einsicht setzt langsam auch im breiten Publikum durch. Unter Profis ist die wachsende Popularität der ETFs schon seit Jahren eines der wichtigsten Diskussionsthemen. Jetzt drängen die Produkte mit ihren Vorteilen ins breitere Bewusstsein: niedrige Gebühren, transparente Inhalte, jederzeitige Handelbarkeit an den Börsen - und bessere Renditen als bei vielen traditionellen Verwaltern.

Der ETF-Boom geht in die nächste Runde. Zusätzlichen Schwung bringt jetzt die Hypothekenkrise, denn Anleger suchen nach dem Reinfall mit komplexen Finanzprodukten nach einfachen Angeboten. Die etwas sperrige EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid mit ihrer Offenlegungspflicht für Gebühren und die anstehende Abgeltungsteuer begünstigen die Billigheimer außerdem noch.

In der aktuellen Absatzstatistik des deutschen Fondsverbandes liegen die zwei Indexfonds-Anbieter mit deutschen Wurzeln bereits weit vorne. Auch die Medienschaffenden greifen nach der neuen Chance: Seit wenigen Tagen ist das erste ETF-Printmagazin am Markt.

Die Zukunft gehört den transparenten und durchschaubaren Produkten. Sie werden wichtige Bausteine in der langfristigen Vermögensverwaltung von morgen sein. Erste Vermögensverwalter buhlen bereits mit solchen Offerten um Kunden. Um im Automobilistenjargon zu bleiben: Viele Anleger dürften vom PS-starken Protzer in den Kombi mit Kindersicherung umsteigen. Langeweile wird sexy.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%