Bulle & Bär
Indizes: Die Erinnerung verblasst

Überall wird dieser Tage an die verheerenden Folgen der Pleite von Lehman Brothers erinnert, die nun genau ein Jahr her ist und seit dieser Zeit fast die Finanzwelt aus ihren Angeln gehoben hätte. Wer jedoch auf die großen Aktienindizes dieser Welt blickt, der findet dort kaum noch eine Erinnerung daran.

FRANKFURT. Ob Dax oder Dow, Nikkei oder Nasdaq, Euro Stoxx 50, der britische FTSE-100 oder der Schweizer SMI, sie alle liegen im Vergleich zur Vor-Lehman-Phase zwar noch im Minus. Das ist jedoch bei allen Marktbarometern im Vergleich zu den einstigen Ausmaßen der Katastrophe auf ein Minimum zusammengeschmolzen. Ganz grob zwischen zehn und 15 Prozent notieren die weltgrößten Leitindizes noch in den Miesen. Im Vergleich zu den 40 bis 45 Prozent, die es bis März dieses Jahres waren, ist dies eine fulminante Wiederkehr. Der Londoner FTSE-100 weist sogar nur noch einen Verlust von fünf Prozent auf, er hatte allerdings auch „nur“ 33 Prozent verloren.

Zwei Dinge fallen in diesem Zusammenhang auf. Zum einen haben sich quer über den Globus die Indizes im Jahr eins nach Lehman nahezu parallel entwickelt. Das verwundert deshalb so sehr, weil in der Wirtschafts- und Finanzkrise nach der Pleite stets die Rede von Volkswirtschaften war, die besser oder schlechter, früher oder später dort herauskommen werden. Die Konsequenz daraus kann nur lauten, dass der Lehman-Schock weltweit ähnlich groß war, ebenso wie anschließend die Suche nach Chancen während der ersten Erholungstendenzen.

Zum zweiten überrascht, dass sich gerade der britische Aktienmarkt, dem lange Zeit seine starke Abhängigkeit vom Finanz- und Dienstleistungssektor vorgehalten wurde, so gut geschlagen hat. Aber auch dort gilt die Rezession inzwischen als beendet. Einkaufsmanagerindizes und viele andere Frühindikatoren sowie Produktions- und Exportzahlen zeigen eindeutig nach oben. Dass der britische Markt durch die Auswirkungen der Finanzkrise einen dauerhaften Schaden davontragen wird, wie dies wenig wohlwollende Börsianer vom europäischen Festland lange prophezeit hatten, ist nicht mehr zu befürchten.

Und noch eines überrascht beim Vergleich der Aktienindizes weltweit ein Jahr nach Lehman: Den Hangseng-Index in Hongkong traf die Pleite mit einem Minus von 48 Prozent in der Spitze sogar noch etwas härter als die etablierten Leitindizes. Mittlerweile steht er jedoch im Vergleich zur Zeit vor einem Jahr um zwölf Prozent besser da. Die These, die vor Lehman galt, hat damit weiter Bestand. Sie besagte, dass den aufstrebenden Märkte langfristig die Zukunft gehören wird.

schnell@handelsblatt.com

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