Bulle & Bär
Industrie-Aktien: Warten auf die Rezession

Welche Aktien bescherten Anlegern in den letzten vier Monaten die größten Verluste? Commerzbank, Deutsche Bank oder doch der arg gebeutelte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate? Alles falsch! Thyssen-Krupp und MAN führen mit einem Minus von gut 45 Prozent die Flopliste mit großem Vorsprung an.

DÜSSELDORF. Banken und Versicherer mögen im Fokus der täglichen Hiobsbotschaften stehen. Doch an der Börse verabschieden sich Anleger längst von anderen Werten: Aktien aus der guten, alten und immer noch prächtig verdienenden Industrie.

Als sich Jérome Kerviel von der französischen Großbank Société Générale an der Börse mit Milliarden verzockte, beschleunigte sich im Spätwinter die Talfahrt an den Börsen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte innerhalb weniger Wochen um 2 000 auf 6 200 Zähler.

Nach einer fulminanten Zwischenerholung brachen die Märkte ab Mai erneut ein. Die Finanzkrise war eben doch nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Die Pleite von Lehman und das Aus für die großen amerikanischen Investmentbanken erschütterte zuletzt das Vertrauen noch sehr viel stärker als vorher.

Wieder gerieten Banken, Versicherungen und natürlich Immobilienfinanzierer in den Abwärtssog. Doch anders als beim ersten Kurssturz fielen diesmal die Notierungen vieler klassischer Industriekonzerne noch viel stärker. Neben dem Stahlhersteller Thyssen-Krupp und dem Nutzfahrzeughersteller MAN erwischte es beispielsweise auch den Automobilriesen Daimler und den Düngemittelspezialisten K+S heftig.

Anders als die Finanzinstitute verdienen die Unternehmen immer noch prächtig. Doch seitdem täglich neue und aussagekräftige Frühindikatoren wie der Ifo-Index, das Verbrauchervertrauen und die vielen Einkaufsmanager-Indizes dramatisch einbrechen, verabschieden sich Anleger von den einstigen Konjunkturgewinnern. Der Grund: In einer möglichen - und täglich wahrscheinlicher werdenden - Rezession leiden die Erträge von Firmen wie Thyssen-Krupp und MAN sehr viel stärker als beispielsweise die von FMC und der Deutschen Telekom. Das Dialysegeschäft läuft auch im Abschwung und telefoniert wird sowieso immer. Dementsprechend zählen FMC und die Telekom noch mit zu den Besten seit dem neuerlichen Absturz ab Mai.

Doch eines signalisieren die jüngsten Kurseinbrüche auch: Wer jetzt noch über die Folgen einer möglichen Rezession grübelt und deshalb über den Verkauf von konjunkturabhängigen Aktien sinniert, sollte unbedingt einen Schritt weiter in die Zukunft schauen. Die goldene Zeit, um auf Zykliker wie Thyssen-Krupp zu setzen, war in der Vergangenheit keineswegs zu Beginn eines Aufschwungs. Die größten Kurssteigerungen gab es vielmehr mitten in der Rezession. Ganz so weit sind wir jetzt noch nicht. Aber sehr weit entfernt davon wohl auch nicht mehr.

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