Bulle & Bär
Infineon: Schlimmer geht es immer

Die Aktionäre von Infineon können einem leidtun. Seit Jahren bröckelt der Kurs der Aktie. Mal langsamer, mal schneller - wie in der vergangenen Woche. Selbst die radikalen Sparpläne des Chipherstellers scheinen an der Börse niemanden zu interessieren.

FRANKFURT. Über 17 Prozent schmierte der Kurs des Chipherstellers ab. Nach Handelsschluss am vergangenen Freitag war eine Aktie nur noch 4,76 Euro wert. Infineon gehörte in einer turbulenten Handelswoche zu den großen Verlierern. Wieder einmal.

Seit Jahren ist das Geschäft mit Speicherchips schwierig. Das bekommt Infineon zu spüren. Gleich mehrfach wurde deshalb das Unternehmen in den vergangenen Jahren umstrukturiert und neu ausgerichtet. Zuletzt versuchte sich im Frühjahr 2006 Wolfgang Ziebart. Ohne Erfolg. Der freundliche Herr Ziebart ist weg, demontiert - und Infineon steht doch nicht besser da als zuvor. Allein im ersten Quartal verbuchte der Konzern einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro. Die ehemalige Siemens-Tochter leidet vor allem unter dem schwachen Geschäft seiner einstigen Speichersparte Qimonda, an der sie noch immer 77 Prozent hält.

Nun soll es Peter Bauer richten, der neue starke Mann. Er ist bereits der vierte Chef in der noch jungen, neun Jahre alten Unternehmensgeschichte. Die häufigen Wechsel an der Spitze haben den Kurs alles andere als beflügelt: Infineon ist heute an der Börse kaum mehr wert als im März 2003, kurz vor Ausbruch des Irak-Krieges. Damals notierte der Deutsche Aktienindex (Dax) bei 2 200 Punkten. Seither sind die Aktienkurse und damit der Unternehmenswert der anderen Dax-Konzerne kräftig gestiegen. Infineon aber blieb auf der Strecke. Den zahlreichen Zwischenhochs folgte das nächste, noch tiefere Tief. Die Aktie ist zu einem Zockerpapier verkommen.

Gerüchte um eine mögliche Fusion haben den Kurs im Juni dann noch einmal über die Sechs-Euro-Marke getrieben. Doch die Fantasie ist schnell verflogen, der Kurs rutschte ab. An der Börse wird gespottet, die Aktie sei schon bald ein "Pennystock", ein Papier also, das kaum mehr wert ist als ein paar Cent.

Beunruhigend ist, dass die radikalen Sparpläne, die Peter Bauer vergangene Woche vorstellte, an der Börse niemanden zu interessieren schienen. Eine Beratertruppe durchleuchtet das Unternehmen, um Sparvorschläge zu machen. "Wir wollen künftig schlanker, schneller und flexibler sein", sagt Bauer. Die Anleger beeindrucken die Pläne jedoch nicht. Die Skepsis sitzt offenbar zu tief.

Auf den Aktienkurs angesprochen sagte der neue Chef kürzlich, dass es kaum noch schlimmer kommen könne. Die Börse wird ihre eigene Antwort geben. Denn schlimmer geht es immer; das hat der Kurs der Aktie in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen. Im September könnte Infineon wegen der unterirdischen Kursentwicklung aus dem Dax fliegen. Das dürfte dem Kurs den Rest geben.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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