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Inflation Deflation: Die Zeit und der Teufel

Die Zeit, die bekanntlich vor dem Teufel, nicht aber vor dem gewöhnlichen Anleger haltmacht, ist ein wichtiger Faktor am Kapitalmarkt. Für Investoren entscheidet der Zeitpunkt des Ein- und Ausstiegs – das „Timing“ – über den Anlageerfolg. Auch steuerliche Aspekte von Investments haben zeitliche Elemente.

UDO RETTBERG | FRANKFURT

Die Zeit, die bekanntlich vor dem Teufel, nicht aber vor dem gewöhnlichen Anleger haltmacht, ist ein wichtiger Faktor am Kapitalmarkt. Für Investoren entscheidet der Zeitpunkt des Ein- und Ausstiegs - das "Timing" - über den Anlageerfolg. Auch steuerliche Aspekte von Investments haben zeitliche Elemente. Und selbst beim Börsenwert "Erfahrung" ist Zeit im Spiel. Im aktuellen Chaos der Märkte ist Zeit von Bedeutung, weil das Ende der Krise weiter nach hinten geschoben wird.

Zeitliche Aspekte sind auch dort im Spiel, wo die "Flations-Frage" aufgeworfen wird - Inflation, Disinflation, Stagflation oder Deflation? Kein Zweifel: Jene 1.6 Billionen Dollar, die an (Buch-)Verlusten im Zuge der globalen Finanzkrise angefallen sind, wirken deflationär. Definiert man Deflation als volkswirtschaftlichen Zustand eines allgemeinen und anhaltenden Rückgangs der Preise für Waren und Dienstleistungen, so ist das zwar kein Status quo, aber eben absehbar. Auch für das zweite Element der Deflations-Definition - Verringerung der umlaufenden Geldmenge oder der Geld-Umlaufgeschwindigkeit - gibt es Signale.

Auf den verbrannten riesigen (virtuellen)Vermögenswerten basierten realökonomische Erwartungen, Hoffnungen und Investitions- sowie Konsumpläne. Diese Träume sind geplatzt wie eine Seifenblase. In den USA sind Unternehmen und Verbraucher in die Insolvenz gestürzt oder aber auf dem Weg dorthin. Die Deflation naht mit Riesenschritten.

Doch noch geht die Angst vor dem Inflationsgespenst an den Märkten um. Anleger wissen aber, dass es nichts Unnützeres gibt als der Blick in den Rückspiegel. Was zählt, ist das Wissen, dass die Inflations-Hysterie auf Daten, Fakten und Statistiken von gestern beruht. Es waren u.a. haussierende Rohstoffpreise, die den Anstieg der Verbraucherpreise auslösten. Dieser Impuls verliert an Wirkung - zumindest vorübergehend.

Fakt ist: die Finanzkrise wirkt weltweit, nicht nur in den USA. So ist eher Angst vor dem Deflationsgespenst angesagt. Pessimisten zeichnen ein Schreckensszenario: Notenbanken siegen im aktuellen Kampf gegen die Inflation, sie verlieren aber dann den Fight gegen die Deflation. Ein Blick in vergangene Zeiten zeigt die Gefahr: Japan hat mehr als ein Jahrzehnt im Deflations-Dilemma gesteckt.

Die Experten-Geister scheiden sich bei diesem Thema. Norbert Walter, Deutsche-Bank-Chefvolkswirt, hält Deflationsthesen für überzogen. Andreas Utermann von Allianz Global Investors rät dazu, das Thema regional differenziert zu betrachten. In den USA und Europa dürfte, so sagt er, Disinflation zum Thema werden. In Asien werde weiter die Inflation ihr Unwesen treiben. John Mauldin - ein viel beachteter Finanzmarkt-Guru in den USA - zeichnet dagegen ein Stagflations-Szenario.

So unterschiedlich diese Standpunkte sind - es gibt einen fast einhelligen anlagepolitischen Tenor: Aktien sind eine anhaltend interessante Anlageklasse - auf Sicht zumindest. Die Schwierigkeit für Anleger: Das richtige Timing.

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