Bulle & Bär
Investmentfonds: Der gierige Staat

Es sind harte Zeiten für Fondsanleger. Nicht nur die Börsenbaisse nagt am Ersparten. Jetzt halten auch die Politiker die Hand bei den Anleihe- und Geldmarktfonds noch weiter auf. Sie wollen den Bürgern stärker in die Tasche greifen, zumindest ihnen das Leben schwerer machen.

FRANKFURT. Das heißt hier: Der Finanzausschuss des Bundesrates will im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2009 die Besteuerung ausschüttungsgleicher Erträge gegenüber dem bisher geltenden Recht deutlich ausweiten. Und wer sich den 115 Seiten dicken Entwurf zu Gemüte führt, der wird erschüttert sein. Ägyptische Hieroglyphen lesen sich leichter als ein solches Monstrum.

Konkret geht es um den Vorschlag einer Ausweitung der Besteuerung ausschüttungsgleicher Erträge auf Kursgewinne von Anleihen und den unter Derivateeinsatz erzielten Wertzuwächsen. Diese würden auf Fondsebene dann wie Zins- und Dividendeneinnahmen behandelt. Das trifft sogenannte thesaurierende Fonds, die Erträge nicht ausschütten, sondern einbehalten. Steuerlich tut Vater Staat so, als seien die Wertzuwächse am Jahresende realisiert worden. Und hier greift er zu.

Der Vorschlag erscheint Beobachtern abstrus, weil im Zuge der ab kommendem Jahr geltenden Abgeltungsteuer ohnehin alle Gewinne erfasst und über den 25-Prozent-Kamm geschoren werden. Es droht also eine zeitweilige Extrabesteuerung bei den Fonds, die ihre Erträge einbehalten. Erst werden Wertzuwächse im Fonds besteuert, dann noch einmal bei Anteilsverkauf durch den Fondsbesitzer. Anders gesagt: Wenn auf Ebene des Fonds Gewinne anfallen, sind die noch nicht im Geldbeutel des Anteilsbesitzers angekommen. Bei thesaurierenden Fonds kann der Anleger nur durch Verkauf seiner Anteile einen Ertrag realisieren. Zur Verrechnung einbehaltener Erträge mit Veräußerungsgewinnen müsste ein großer bürokratischer Aufwand getrieben werden. Unvermeidbar ist allerdings ein Zinseszins-Nachteil.

Konkurrierende Zertifikate, Versicherungen oder Bundesschatzbriefe vom Typ B werden nur bei Fälligkeit besteuert. Auch deshalb laufen Vertreter der Anlagebranche Sturm gegen das Machwerk der Politiker. Sie schimpfen auf den Staat, der nur seine Einnahmen erhöhen wolle. Ein ökonomisch geschulter Mensch wird hier kaum eine Gegenposition einzunehmen wagen. Das Dumme ist: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Politiker die vorgeschlagene Groteske durchsetzen - sagt der Flurfunk in Berlin.

Anleger müssen in den sauren Apfel beißen. Auf Fonds verzichten wäre sogar bei verschärftem Zugriff des Fiskus keine Alternative. Dazu ist der Zwang zum Vermögensaufbau zu groß. Altersvorsorge ist ein Kapitalanlageproblem, kein Versicherungsfall. Auch wenn es der typisch deutschen Vorliebe widerspricht und die Börsenlage jede kurzfristige Hoffnung erstickt: Der fondsgestützte und aktienbetonte Vermögensaufbau schlägt die Versicherung.

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