Bulle & Bär
IPO 2006: Einfach anders

Die Experten scheinen recht zu behalten: Läuft das Geschäft mit Börsengängen, kurz IPOs, so weiter wie bisher, dann könnte das Jahr 2006 das Beste seit dem Hype im Jahr 2000 werden. Die Zahl von 25 bis 30 IPOs, die Optimisten vor Jahresfrist für möglich hielten, erscheint durchaus erreichbar. Dennoch ist manches anders als damals, vieles besser und manches gibt gar schon wieder Anlass zu Bedenken.

FRANKFURT. Ein wesentlicher Unterschied zu dem teilweisen Exzess um die Jahrtausendwende ist, dass die Börsenkandidaten von heute nicht mit wagen Zukunftsphantasien hausieren gehen, sondern eine solide Unternehmens- und Wachstumsstory, ein erfahrenes Management und schwarze Zahlen präsentieren können. Das gilt speziell für Gesellschaften, die in das Premiumsegment Prime Standard streben.

Wer weniger zu bieten hat und Stories wie einst verkauft, der tut dies im Entry Standard. Schillerndstes Beispiel dort ist derzeit Neosino, ein Anbieter von Nahrungsergänzungs- und Regenerationsmitteln. Dessen erst dreimonatige, aber äußerst wechselvolle Börsengeschichte gipfelte am Freitag darin, dass die Produkte auf Grund einer fehlenden Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von Silizium nicht mehr verkauft werden dürfen. Das Verbraucherschutzministerium höchstselbst hat das entschieden.

Auch hier unterscheidet sich der IPO-Jahrgang 2006 von den vorherigen. Kurze amüsante Geschichten gerade bei den Kleinstwerten beherrschen wieder Medien und Parkettgespräche.

Viel wichtiger sind indes die Daten zu den einzelnen Emissionen und die derzeit bei den Investoren angesagten Modetrends. Rissen sich die Anleger einst um die Aktien von Internet und Biotechnologie, Software und Medien, so sind Aktien aus dieser Ecke derzeit kaum vermittelbar. Stattdessen dominieren Nanotechnologie, Biometrie, Regenerative Energie und zu aller Erstaunen erzkonservative Immobilien.

Verwunderlich ist hingegen, wie gleichgültig die meisten Investoren der Tatsache gegenüber stehen, dass Altaktionäre derzeit in großem Stile Kasse machen. Konstellationen, nach denen nur ein Drittel des Emissionserlöses dem Unternehmen selbst zufließen, der Rest in die Taschen von Gründern und Besitzern, werden emotionslos hingenommen. Was früher als absolutes Ausschlusskriterium galt, spielt inzwischen keine Rolle mehr. Auch fadenscheinigste Begründungen für Börsengänge, wie „der Vorstand will sein Portfolio diversifizieren“ oder „der Gründer braucht Kapital für künftige Kapitalerhöhungen“ schrecken nicht ab.

Und auch die Privatanleger, die noch vor zwei Jahr bei Neuemissionen abgewinkt haben, greifen wieder zu, obwohl sie in puncto Information gegenüber institutionellen Anlegern deutlich schlechter gestellt sind. Die Aussicht auf Zeichnungsgewinne lockt sie wieder zuhauf an. Ein spannendes IPO-Restjahr 2006 steht also noch bevor.

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