Bulle & Bär: Januar-Effekt: Auftakt nach Maß

Bulle & Bär
Januar-Effekt: Auftakt nach Maß

Glücklicherweise ging es am Mittwoch an den Börsen nach unten. Nicht auszudenken, wie laut das Wehklagen über die Irrationalität der Aktienmärkte ausgefallen wäre, hätte der muntere Aufwärtstrend seit Jahresanfang weiter Bestand. Damit bleibt die Börse zumindest einem alten Muster treu.

FRANKFURT. Europas Aktien haben den besten Start seit 13 Jahren erwischt. Dies errechneten Experten des Informationsdienstes Bloomberg. Und das in einem Jahr in dem - wenn schon nicht der Weltuntergang - so doch zumindest Depression, Deflation, Rezession und bei vielen Investoren wohl auch erhöhte Transpiration drohen sollen.

Allen Krisenszenarios zum Trotz bleibt die Börse diesmal zumindest einem alten Muster treu: Zum Jahresanfang sind erstmal alle gut gelaunt und sehen weit mehr die Chancen des neuen Jahres als die Risiken. Der Wagemut, auch einmal etwas zu probieren, ist weit ausgeprägter als in fortgeschrittenen Phasen des Jahres. Das Ganze erst recht, wenn eine lange Durststrecke wie diesmal drohen soll, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Der Optimismus der vergangenen Tage ist indes wohl auch damit zu erklären, dass vielen Investoren spätestens über die Feiertage klar geworden ist, dass in Zeiten wie diesen auch verdammt viel Geld zu verdienen ist. Und dass dies garantiert nicht mit einer Anlagepolitik der ruhigen Hand möglich sein wird. Entsprechend furchtlos gingen sie gleich zu Jahresanfang zu Werke.

Zwei Fragen für den weiteren Verlauf an den Märkten stehen schon nach wenigen Tagen im Mittelpunkt: Wie wird es weitergehen, wenn ab der kommenden Woche endlich die Mehrzahl der Vermögensverwalter und Fondsmanager an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt ist? Und was müsste eigentlich passieren, um die Märkte noch einmal kräftig nach unten zu ziehen?

Die erste Frage ist schnell beantwortet. Ab kommender Woche werden diejenigen, die das Kursplus von bis zu sechs Prozent in den ersten Handelstagen verpasst haben, kräftig Gas geben, um ihren Rückstand aufzuholen.

Die zweite Frage ist schon diffiziler. Mit Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen im herkömmlich pessimistischen Rahmen wird niemand mehr zu schockieren sein. Hier ist inzwischen ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten. Es müsste also schon eine richtig heftige und unerwartete Nachricht den Markt treffen. So wie beispielsweise vor knapp einem Jahr, als bekanntwurde, dass der damals 31-jährige Börsenhändler Jérôme Kerviel bei seinem damaligen Arbeitgeber Société Générale knapp fünf Milliarden Euro in den Sand gesetzt hat. Oder als ab dem Spätsommer eine nach der anderen der einst so ruhmreichen US-Investmentbanken ins Strudeln geraten ist. Etwas in dieser Richtung würde reinhauen. Arbeitsmarktdaten und Erzeugerpreise, Hypothekenanträge und Autoexporte taugen als Aufreger nicht mehr.

Insofern sind die Karten an der Börse wie in jedem Januar neu gemischt. Nur Chance und Risiko sind diesmal ungleich höher.

schnell@handelsblatt.com

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