Bulle & Bär: Januar-Effekt: Aussagekraft bei null

Bulle & Bär
Januar-Effekt: Aussagekraft bei null

Was für ein Januar: Nach der ersten Woche war es der beste Jahresauftakt seit 13 Jahren für Europas Aktien, nach den Wochen zwei und drei der schlechteste seit mindestens ebenso vielen Jahren. Und am Ende könnte es heute gar noch ein versöhnliches Ende geben. Auch wenn die 4 810 Punkte, mit denen der Dax ins neue Jahr startete, wohl nicht mehr erreicht werden.

FRANKFURT. Sofort werden jetzt die Experten streiten, was denn dieser Januar für das Gesamtjahr bedeutet. Gilt doch noch immer die alte Regel, dass der Kursverlauf im Januar ein Zeichen dafür ist, wie es im Gesamtjahr an den Börsen laufen wird. Den sogenannten Januar-Effekt gab es in der Vergangenheit immer wieder, diesmal dürfte dessen Aussagekraft jedoch sehr begrenzt sein.

Das liegt zum einen natürlich an der bis dato einzigartigen Wirtschafts- und Finanzkrise, die seit über anderthalb Jahren durch fast alle Teile der Welt zieht und auf Saisonalitäten keinerlei Rücksicht nimmt. Zum anderen fällt auf, dass schon seit Jahren typische saisonale Verläufe wie sie speziell den Monaten Januar, Mai und September zugeschrieben werden, nur noch teilweise und dann eher zufällig vorkommen. In der aktuellen Krise, die im Moment vor allem durch Gewinneinbrüche der Unternehmen, Zinsentscheidungen und Konjunkturszenarien geprägt ist, haben Investoren ohnehin wichtigeres zu tun, als sich um einen möglichen Januar-Effekt zu kümmern.

Der Abschied von den Saisonalitäten liegt auch an den veränderten Investorenschaft. Immer mehr Computer erledigen inzwischen die Arbeit von Menschen. Quantitative Modelle, bei denen Maschinen nur noch Auffälligkeiten im Zahlenwerk eines Unternehmens untersuchen, stehen inzwischen hinter einer Vielzahl von Kauf- und Verkaufsorders.

Des weiteren sind in den vergangenen Jahren große Investoren aus Asien und dem Nahen Osten hinzugekommen, denen die in der westlichen Hemisphäre üblichen Jahresverläufe wenig sagen und bei denen das Jahr - siehe diese Woche in China - erst später beginnt.

Überhaupt hat das Thema "Globalisierung" dazu beigetragen, dass übergreifende internationale Konjunktur- und Finanzthemen einen weitaus größeren Einfluss auf die nationalen Börsen haben als Daten, die dort quasi "vor der Haustüre" stattfinden. Gleiches gilt für den Unternehmensbereich, wo Quartalszahlen von Royal Dutch Shell oder Ford auch den deutschen Markt weit mehr bewegen, als dies eine deutsche Aktie außerhalb des Dax jemals könnte.

Das einzige, was man sich als Anleger nach diesem Januar wünschen kann, ist, dass die extremen Schwankungen endlich ein Ende finden. Denn letztendlich war das, was seit dem ersten Handelstag am 2. Januar zu sehen war, eher ein Ausdruck von Orientierungslosigkeit. Als Fingerzeig für das Gesamtjahr - wie früher üblich - war dieser Monat gänzlich ungeeignet.

Was auf Dauer vom Januar als Inspiration für die Börse bleiben wird, ist eine gewisse Aufbruchstimmung. Zu mehr als diesem "guten Gefühl" wird es in Zukunft zu Jahresbeginn aber nicht mehr reichen.

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