Bulle und Bär
Junk-Bonds für Zocker

Institutionelle Investoren am Markt für Junk-Bonds sind nervös. Die Risikoaufschläge für die Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität sind in den vergangenen sechs Wochen um anderthalb Prozentpunkte in die Höhe geschnellt. Inzwischen gibt es für auf Euro lautende Junk-Bonds im Schnitt 3,45 Prozentpunkte mehr Rendite als für Bundesanleihen und damit so viel wie seit Februar 2006 nicht mehr.

FRANKFURT. Professionelle Anleger fürchten noch weitere Kursverluste und damit steigende Renditen und Risikoaufschläge. Sie halten sich mit Käufen zurück, weil sie Kursverluste ausweisen müssen. Damit sind die Profis im Nachteil gegenüber Privatanlegern, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten und sich um Kursverluste deshalb nicht so sehr zu scheren brauchen.

Für weiter fallende Junk-Bond-Kurse spricht die allgemeine Unsicherheit angesichts der immer höhere Wellen schlagenden Subprime-Krise um private Hypotheken von US-Kreditnehmern mit schwacher Bonität. Deren Kredite sind über strukturierte Anleihen weitergereicht worden. Keiner weiß, wer genau die Anleihen hält, und die Ängste nehmen zu, dass die Krise die US-Konjunktur belasten wird.

Auch Privatanleger können überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, mit dem Kauf auf noch günstigere Einstiegskurse zu warten. Den genauen Zeitpunkt abzupassen, ist aber schwer - von daher sind Junk-Bonds für Anleger mit Zocker-Mentalität jetzt einen Blick wert.

Privatanleger müssen dabei aber bereit sein, die Junk-Bonds zu verkaufen, wenn sich die Lage der Unternehmen verschlechtert und ein Zahlungsausfall droht. Zudem sollten sie sich auf bekannte Firmen konzentrieren.

Dass die gestiegenen Risikoaufschläge nichts mit der Unternehmenslage zu tun haben, zeigt sich zum Beispiel bei den Junk-Bonds von Fiat, Ahold und Fresenius. Vergangene Woche hat Fiat gute Quartalszahlen vorgelegt. Selbst in der gebeutelten Autosparte, die den Traditionskonzern vor Jahren noch an den Rand des Konkurses gebracht hat, werden wieder schwarze Zahlen geschrieben. Da ist die aktuelle Rendite von 5,7 Prozent für ein vierjähriges Fiat-Papier attraktiv, zumal die Ratingagentur Fitch den Konzern mit dem Rating "BBB-" schon wieder auf der untersten Stufe des sicheren Investment-Grade sieht.

Den niederländischen Lebensmittelkonzern Ahold stuft die Ratingagentur Standard & Poor's dank des kräftigen Schuldenabbaus schon wieder mit "BBB-" ein. Dennoch wirft eine fünfjährige Ahold-Anleihe 5,7 Prozent Rendite ab. Der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius wird zwar nach Meinung von Analysten auf absehbare Zeit noch mit einem Junk-Bond-Rating leben müssen. Positiv ist aber zu bewerten, dass Fresenius keine operativen Schwierigkeiten hat. Der Konzern hat sich in den vergangenen Jahren zwar stark verschuldet, doch die Zukäufe waren sinnvoll. Der in sechs Jahren fällige Fresenius-Bond verzinst sich mit attraktiven 6,2 Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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