Bulle & Bär
Kakao: Heimlicher Gewinner

In der Krise sind Börsenweisheiten bei Anlegern besonders beliebt. Weil vieles ungewiss scheint und auf die Kursprognosen der Banken ohnehin kein Verlass mehr ist, versprechen schlaue Sprüche, gut gemeinte Ratschläge und banale Wahrheiten zumindest etwas Orientierung in diesen trüben Tagen.

FRANKFURT. "Seien Sie gierig, wenn die anderen ängstlich sind", empfiehlt etwa Warren Buffett, der Superinvestor aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Oder: "Die Märkte können länger irrational bleiben als man selber liquide". Das sagte einst der berühmte britische Ökonom John Maynard Keynes.

Besonders beliebt in diesen Tagen aber ist eine andere Einsicht, aus der sich durchaus eine Anlagestrategie ableiten ließe und der wohl niemand widersprechen kann: "Gegessen (und getrunken) wird immer".

Ein passendes Beispiel ist schnell gefunden: der Kakaopreis. Während weltweit die Aktienkurse fallen, Öl nicht einmal mehr 50 Dollar kostet und Platin mittlerweile billiger ist als Gold, hat sich Kakao in den vergangenen Wochen fast unbemerkt zum großen Gewinner entwickelt. So kletterte der Preis für eine Tonne Kakao an der Londoner Rohstoffbörse seit Mitte November um rund 35 Prozent auf fast 1 700 britische Pfund. Sicherlich ist die Schwäche der britischen Währung nicht ganz schuldlos an dem rasanten Preisanstieg. Allerdings ist Kakao auch an der Börse in New York deutlich teurer geworden: gut 25 Prozent im gleichen Zeitraum.

Viele Rohstoffexperten erwarten, dass es auch in den kommenden Wochen und Monaten weiter nach oben gehen könnte mit dem Kakaopreis. Laut dem aktuellen Bericht der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) war die Nachfrage zuletzt weit höher als die Produktion. Allein für 2007/08 hat die Organisation ein Defizit von rund 77 000 Tonnen berechnet. Der weltweite Kakaovorrat ist zuletzt von 1,57 Millionen auf 1,49 Millionen Tonnen gesunken. Damit sind nur noch 40,1 Prozent des weltweiten Verbrauchs durch die Reserven gedeckt. Die Erfahrung lehrt, dass der Preis deutlich steigt, sollte die 40-Prozent-Marke fallen.

Am Markt kursieren bereits Schätzungen, dass im Extremfall bald deutlich mehr als 150 000 Tonnen fehlen könnten. Ganz so schlimm wird es aber wohl nicht kommen. Bei Prognosen ist stets Vorsicht geboten. Auch das ist eine dieser banalen Weisheiten.

Das gewichtigste Argument dieser Tage aber ist: Wer Schokolade isst, nimmt Tryptophan zu sich, einen Eiweißbaustein. Aus ihm wird wiederum Serotonin gebildet, ein Stoff, der Depressionen verhindern kann; eine Eigenschaft, die in wirtschaftlich schweren Zeiten durchaus beliebt sein dürfte.

Niemand wird deshalb auf ein Stück Schokolade verzichten, selbst wenn die Finanzwelt zusammenbricht.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%