Bulle und Bär
Kassandrarufe an den Kapitalmärkten

Pessimisten sind derzeit gefragt. Sie wittern bereits den Kollaps des globalen Finanzsystems. Es geht um die sogenannten Subprime-Risiken, ein Begriff, der wohl als Wort des Jahres in die Börsenannalen eingehen wird.

FRANKFURT. Die Unsicherheit über die Entwicklung der verbrieften US-Hypothekenschulden niedriger Qualität zieht immer weitere Kreise. Fast täglich melden neue Finanzinstitute, Banken und Fonds Schieflagen. Die düstere Prognose: In Kombination mit der Derivate-Inflation, überbordender Hebel-Investments mancher Großanleger und hoch bewerteter Kapitalmärkte könnten die Weltbörsen implodieren.

Im Zentrum der ökonomischen Diskussionen steht die US-Konjunktur. Die amerikanischen Verbraucher sind bis über die Ohren verschuldet - am Ende könnte für viele von ihnen der Ruin stehen. Das skeptische Szenario: Die Haushalte sehen den Wert ihrer Häuser sinken, während sie gleichzeitig steigende monatliche Kapitaldienste für ihre Hypotheken leisten müssen. Unter diesem Druck verkaufen immer mehr Amerikaner ihre Immobilien, was deren Preise weiter drückt - eine Abwärtsspirale kommt in Gang, die die Konjunktur massiv belastet.

Anleger sind in einer schwierigen Lage. Selbst für Profis ist die Situation kaum zu durchschauen, so komplex sind die auf den Hypothekenforderungen basierenden Finanzinstrumente, die in den Depots von Großanlegern lagern und jetzt für Probleme sorgen. Zu allem Unglück sind manche dieser Investoren auch noch mit Hebel engagiert, was die Anfälligkeit vervielfacht. Einige Hedge-Fonds sind darüber bereits gestolpert.

Die Finanzprofis sind in zwei Lager gespalten. Zu den Optimisten zählt Stephen Jen von der Investmentbank Morgan Stanley in London. Beim Stichwort Abwärtsspirale winkt der Stratege ab. In einigen Monaten, glaubt er, wird sich die aktuelle Abwärtsdrift an den Aktienbörsen erneut als Korrektur und Kaufgelegenheit darstellen. Es wäre dann der dritte kurzfristige Rückschlag in den vergangenen eineinhalb Jahren gewesen.

Ganz anders sehen das die Pessimisten. Vermögensverwalter Marc Faber aus Hongkong sagt, eigentlich dürfe man gar keine Wertpapiere oder andere Anlageobjekte mehr besitzen - nur noch Cash. Der in USA bekannte Verwalter Jeremy Grantham, einer der ganz alten Hasen im Börsengeschäft, wittert ebenfalls Ungemach. Seiner Meinung nach wird die Hälfte aller Hedge-Fonds in den kommenden Jahren schließen und mindestens eine Großbank in die Pleite stürzen. Grantham ist so pessimistisch wie noch nie in seinem Leben - und er hat immerhin 68 Jahre auf dem Buckel.

Vorsichtige Anleger können ihre Barquote erhöhen oder das Depot etwa über Put-Optionen absichern. Auch der Verkauf von Teilbeständen ist eine Alternative, getreu der alten Börsenweisheit: An Gewinnmitnahmen ist noch keiner gestorben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%